Posts mit dem Label Kindermund werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kindermund werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 13. September 2012

Erfahrungen

Auch schon mal im Kino gewesen? - Na, dann werdet Ihr gleich lächeln.

Heute Morgen habe ich zum ersten Mal Laptop und Beamer im Unterricht eingesetzt. Schon vor dem Unterrichtsbeginn standen die Kinder staunend vor der großen Leinwand. "Ui, machen wir heut' Kino?", fragt Mary interessiert. Im Spaß sage ich: "Ja, ganz tolles Kino! Aber ihr habt ja erstmal Sport bei Frau Hickelbein." (Name von der Redaktion geändert)

Was wirklich auf der Leinwand präsentiert wird, sind Aufgaben, die ich eingescannt habe und die die Kinder anschließend selbstständig auf einem Blatt Papier bearbeiten können.
Jason kommt ganz vorsichtig zur Leinwand, fasst einmal dran, dann wendet er sich zu mir um. Mit dem Finger am Mund fragt er mich etwas - ganz leise. Ich verstehe bittestopdooorn ... ich frage nach. "Was meintest du, Jason? Es ist so laut hier, ich habe leider nichts verstanden." Er wiederholt seine Frage - dieses Mal lauter, so dass ich verstehe: "Bipt es Popcoooorn?"

Diese Frage hätte ich meiner Grundschullehrerin niemals gestellt. Aber ich war ja auch mit 6 Jahren noch nicht ein einziges Mal im Kino, wir hatten noch nicht einmal einen Fernseher und Popcorn gab es nur auf dem Kindergeburtstag. 


Dienstag, 11. September 2012

Erst der Spaß und dann das Vergnügen ...

Hm ... kommt Euch der Spruch nicht komisch vor? Haben wir als Kind nicht schon gelernt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen?  - Stimmt! - Bei mir soll es heute aber erst den Spaß geben - den frischen und unverstellten Kinder- (nein, auch Eltern-)mund, dann das Vergnügen an meinen Nach- und Vorbereitungen. Warum so herum?
Weil mich der Spaß am Erzählen belebt und mir das Weiterarbeiten zum Vergnügen macht. Verdreht? - Warum nicht? Es passt doch viel besser zu einer so verdrehten Welt.

Also ... legen wir los:

Zuerst wollte ich Euch mal fragen (so wie es der französische Komiker Alfons mit dem Puschelmikrofon in seiner aktuellen Show tat):

Wie heißt nochmal der Ort,
  • an dem sich Jugendliche treffen?
  • an dem es so furchtbar laut ist?
  • wo alle herumzappeln?  
Selbst ich rief vom Sofa aus laut in den Raum:

Das ist 'ne DISCO!

Dabei müsste gerade ich es doch besser wissen. Wisst Ihr's?
Auflösung ganz unten!




Gewitter ... PC aus!


Es wird wieder heller ... nach Blitz und Donner, Kübeln mit water from the sky, einem riesigen Wasserfall aus der Dachrinne, weil Nachbars Apfelbaum sich selbst auf unser Dach aberntet und unser Fallrohr mit Äpfeln füttert, ein Leck im Dach, wo's runter in den Carport tropft ... Männe braucht halt auch was zu tun.


Aber nun zurück zum täglichen Wahnsinn in deutschen Bildungsanstalten:

Heute früh vor dem Unterricht stand Mama von Prinzchen 1 des mohammedanischen Triumvirats in der Klasse und wollte mich sprechen ... "mal so ganz allein. Die andere Eltern sollen aber nicht hören ... ich mit Sie zusammenarbeit, gutt?" - Ja! Immer gutt zusammenarbeit ... allein kann nicht, hat Grenze. 
Ich gehe also mit ihr vor die Klassentür. Sie lächelt verschämt, guckt nach rechts und links, wo noch immer andere Mütter herumwuseln, ihrem Kind den Tornister abnehmen, Küsschen geben, Händchen halten, nochmal Küsschen geben. "Ja, Papa holt Dich ab ... jaaa ... ganz bestimmt. Mama muss jetzt arbeiten gehen. Jaa, nee, ganz bestimmt kommt Papa. Deine Lehrerin weiß es auch. Gut, also ... nochmal Küsschen ..."  Winkewinkewinke ...
Wie habe ich das bloß als Kind geschafft - so ganz allein ... keine Winkemama, kein Abholpapa. Am zweiten Schultag nach dem halben Schulweg tschüss gesagt, nicht mehr umgedreht und zur Schule gehopst. Okay - andere Zeiten - Mutti ging auch nicht arbeiten und Kind war viel ruhiger.

Zurück zu Mama von Prinzchen 1:
Wir entfernen uns auf dem Flur also noch ein Stück von der Klassentür, damit niemand zuhören kann. Und endlich erfahre ich von ihr, was niemand erfahren soll. Hier kann ich es auch nur erzählen, weil alle Namen durch die Redaktion geändert wurden. Ich stelle in dem Flurgewusel also schön meine Lauscher auf Empfang und schaue ihr aufmerksam ins Gesicht um sie in dem Lärm zu verstehen.
"Mein Kind is bei Arsst in >Dingsdatown<. Is da schon ein Jahr, muss da weiter ssu Arsst." - "Oh, ist er krank?" Sie kommt mir noch näher und flüstert mir fast ins Ohr: "Geht ssu piskologische Arsst." Hm?, denke ich. Mein Gehirn rattert und rattert ... Piss??? Hm ... hat er Probleme mit dem Pipimachen? Nee, schon ein Jahr??? Ratterratter ... hm ... Pisces ... Vesica Pisces ... hm ... die Fischblase, das Yin-Yang-Symbol der seelischen Ausgeglichenheit??? Welche Fachrichtung kann sie nur meinen? Piskologischer Arzt ... ratterrratter ... fängt an mit p, hört auf mit logisch. Jaaaaaaa - logisch! "Ein psychologischer Arzt?", frage ich erwartungsvoll. Ihr Gesicht verwandelt sich von Nacht zu Tag, die Sonne geht darin auf: "Ja, ein piskologische Arzt." Ha, sie ist ganz erleichtert ... endlich hat die Lehrerin verstanden ... und mein Weltbild ist wieder gerade. Es fällt mir jetzt leichter, die Tiraden von Prinzchen 1 anzunehmen und bei deren Verwandlung mitzuhelfen. Als Mama weg war, ging ich in die Klasse und war überzeugt davon, dass man noch mehr Kinder zu einem piskologischen Arzt schicken sollte, denn ... man lese und staune ... Prinzchen 1 steht vor mir, gibt mir die Hand und sagt: "Entschuldigung." Dann dreht er sich flugs um, geht zu seinem Platz und dölmert weiter rum. Aber auf Ansprache reagierte er heute viel besser. 
Wir müssen halt alle gutt zusammenarbeit ... Lehrer, Eltern, Kinder, piskologische Arzt ... geht doch!
Als ich übrigens den Begriff in der Pause dem Kollegium vorstellte und um Erklärung bat, rief eine Kollegin gleich: "Ein Urologe?" Niemand kam von selbst drauf. Als ich des Rätsels Lösung verkündete, folgte lautes und erfischendes Gelächter. (Den Tippfehler lass ich jetzt mal stehen ... *lach*)



In der Frühstückspause dann kommt Irina zum Pult und fragt: "Duhuu, können Heringe pupsen?" Ich schaue sie ratlos an ... "Du, das weiß ich auch nicht. Die sind doch unter Wasser. Hab' ich noch nie drauf geachtet, als ich mal im Meer war. Weißt du es denn?" Sie lacht mich verschmitzt an und sagt: "Hmhmmm ... die können das!" - "Nee, sag bloß!", antworte ich erstaunt und stelle mir vor, dass sie mit Papa in einem Kinderbuch geblättert hat und Papa es ihr vorgelesen hat. Was es nicht alles gibt! "Woher weißt du das denn?", frage ich neugierig. "Hi hi", zieht sie den Kopf ein und die Schultern hoch, "ich hab' das gerochen." - "Waaas?", erwidere ich erstaunt, "Du hast das gerochen??? Wie das denn?" - "Ich bin da unter das Wasser getaucht, da hab' ich das gerochen."
Quintessenz:
Erstens ...
lernen nicht nur die Kinder von mir, sondern ich auch von ihnen. Ich habe nicht gewusst, dass Heringe pupsen und dabei auch noch stinken.
Zweitens ...
habe ich schon lange gewusst, dass die Menschheit sich in einer ständigen Evolution befindet, die niemals aufhört. So können möglicherweise die Kinder der heutigen Zeit sogar unter Wasser riechen. Ist das jetzt ein Fort- oder ein Rückschritt, ein Sprung in der Evolution, eine gleitende Entwicklung oder ... hm ... pisces ... hm ... piskologisch??? Was meint Ihr?


Auflösung zum Anfangsrätsel - na, ist doch ganz einfach:

Das ist 'ne SCHULE!

Und die zu bereichern wird jetzt meine vergnügliche Aufgabe sein ...

Sonntag, 9. September 2012

Jung und unverstellt ...

Ein paar Kinderanekdoten mal wieder?

Okay, es gibt in der nächsten Zeit sicher viel zu diesem Thema zu erzählen,
denn je jünger, desto unverstellter reden und handeln sie.

Namen im Folgenden redaktionell geändert

Aktekin - ein kleiner türkischer Junge, der gerade am ersten Schultag sechs geworden ist, kann noch nicht richtig sprechen. Seine Sprache klingt so:

Iss muss danz viel doll!

Iss hat ein Ball mit Lisst.

Mein ssarze Ss-tift iss noss danz lant.

(Auflösung am Ende des Posts) 

Aktekin macht im Unterricht nur, was ihm gerade in den Sinn kommt. Zuhören geht fast noch gar nicht, Gemeinschaftliches mitmachen ist auch doof. Sein Lieblingswerkzeug ist sein Lineal, das für ihn ein Schwert ist. Als es letzte Woche zerbrach, weil er es mal wieder nicht im Etui stecken ließ,  hing er eine Stunde lang mit dem Kopf nach unten verzweifelt auf seinem Stuhl und heulte wie eine Sirene. Alle Achtung - die anderen Kinder und ich haben es ohne Blessuren durchgehalten. 
Warum er so heulte? 
"Mein Papa ssssimft ... uäääääää ... meine Mama soll miss holen ... uääääääää!" - "Nö, dein Papa holt dich. Und das Lineal ist ja kaputt, weil du daraus ein Schwert gemacht hast. Dann kannst du auch die Schimpfe aushalten." 
Papa kam und wurde aufgeklärt. Und sein Erziehungsanteil durfte dann zuhause erfolgen - auf seine Art. Das geht mich nichts an. 
Selten nimmt Aktekin, der kleine Miniprinz, der vier ältere Geschwister und kein jüngeres hat,  seine Aufgaben vor und beginnt damit. Inzwischen konnte ich ihn für einen Stickerordner gewinnen, in dem fertige Aufgaben abgeheftet werden. Wenn er drei Aufgaben fertig hat, bekommt er in den Ordnerdeckel innen einen Sticker. Der Kollegin, die diese Idee hatte, gebührt ein ORDEN (kein ORDNER *lach*). Sie sollte sich das System patentieren lassen!
Bereits vor dem Unterricht gehen die Kinder inzwischen an die Kästen mit Aufgabenblättern, holen sich etwas und beginnen damit. Die meisten bekommen nach fünf fertigen Blättern einen Sticker, manche schon nach vier oder drei Blättern. So kann ich wunderbar differenzieren und die Motivation aufrecht erhalten.


Alper, ein anderer türkischer Junge, kann's auch ... herumrennen, andere ärgern, bei jeder Ansprache beleidigt sein. Mit ihm gehe ich dann schon mal vor die Tür, spreche mit ihm, dann geht's mal wieder für zehn Minuten.
Vor einigen Tagen stand er vor mir, schaute mir mit zusammengekniffenen Augen sehr angestrengt ins Gesicht und meinte: "Du bist schon alt. Du hast da so Striche." Dabei zeigte er auf die Haut unter meinen Augen. "Stimmt", sagte ich, "das heißt Falten. Die kriegt man, wenn man älter wird und wenn man sich viel ärgert. Dann sei du mal schön lieb, damit es nicht noch mehr werden." Er drehte gleich ab ... nee, DER bekommt von so was keine Schuldgefühle! ;-)


Wir singen das Lied "Halte zu mir, guter Gott" als Morgenlied zum Beginn des Schulvormittags. Weil ich so viele Mohammedaner in der Klasse habe (7 von 20), fällt mir ein, dass wir das Lied ja auch mit dem türkischen (arabischen) Namen für Gott singen können. Ist ja egal, wir alle sind schließlich in Gott/Allah. So singe ich vor: "Halte zu mir, guter Allah ..."  Alle singen schön mit (ja, sie können wirklich schön singen, meine Neuen!), da meldet sich Taner: "Bei uns heißt Gott ALLAH (er spricht es so: Allaach)." - Ich: "Ja, Taner, das haben wir doch gerade gesungen." Er guckt mich an ... ein riesiges Fragezeichen im Gesicht. "Aber bei uns heißt Gott Allaaach." Herrje! Da hat er doch mein Allah nicht als sein Allaach verstanden - also nochmal singen: "Halte zu mir, guter Allaach ..."  Taner grölt laut mit!

Da meldet sich Alper. Dieses Mal geht es nicht um meine Augenrunzeln. Er sagt - nun haltet Euch fest: "Gott ist viiiieeeeeeel größer als Allaach!" Und das aus türkischem Mund!!! :-))


Was wäre unser Leben ohne Kinder?!?


Auflösung zu Aktekins Sprache:

Ich muss ganz viel doll.
Ich habe einen Ball mit Licht.
Mein schwarzer Stift ist noch ganz lang.

Ohne Übersetzungshilfe verstanden? - Ehrlich ...?

Sonntag, 24. Juni 2012

Kindermund


Wie unangenehm!

Zwei Tage vor unserem Klassenausflug nach Porta Westfalica erzähle ich den Kindern meiner Klasse 4, dass wir voraussichtlich zu früh am Freizeitpark Potts Park sein werden und dass ich plane, vorher mit ihnen einmal zum Porta-Denkmal hoch zu fahren, so dass sie den Kaiser Wilhelm anschauen können, der oberhalb der Porta auf dem Wiehengebirge steht. „Dann könnt ihr sehen, wie imposant der ist“, schwärme ich von dem riesigen Kerl. In dem Moment fängt Tobias an zu kichern und Davin lässt sich sogleich anstecken und prustet laut los. Die ganze Klasse fällt in das Gelächter mit ein. Mir schwant, was sie meinen und deswegen erkläre ich schnell: „Der HAT nicht im Po Sand, der IST imposant! Ob er im Po Sand hat, das weiß ich außerdem gar nicht. Er ist vielleicht gar nicht aus Sandstein, sondern aus Metall gebaut.“ Wie ich später durch Recherche erfuhr, besteht sein Sockel aus Portasandstein, die Kaiserfigur dagegen wurde aus Bronze gegossen. Dass dabei ein paar Körnchen Sand in den Po gerieten, kann ich mir kaum vorstellen.
Das Wort IMPOSANT scheint in heutigen Elternhäusern wohl wenig gebräuchlich zu sein ...



Trauriges Lehrerleben

Als ich mit meiner Sechser-Gruppe durch Potts Park streife, will Lars mich unbedingt überreden, mit in die Schiffsschaukel zu kommen. Vorher hatte ich ihm erzählt, dass mir darin einmal furchtbar schlecht geworden ist und ich den Kindern, die damals vor mir saßen, fast auf den Kopf gespuckt hätte. „Nein“, sage ich deshalb zu Lars, „den Gefallen tu ich dir nicht, dass du dann lachst, weil ich mich übergeben muss.“ Anschließend erkläre ich ihm, dass es mir nichts ausmache, dass ich nicht mitmachen könne. „Weißt du, Lars, ich habe auch meinen Spaß, wenn ich nur miterlebe, wieviel Spaß ihr habt.“ „Ach“, meint er daraufhin, „dann haben Sie in der Schule ja nie Spaß.“




Gottgegeben

Im Unterricht meiner vierten Klasse geht es um die technischen Errungenschaften der Gegenwart und den Unterschied zu früher. Ich erzähle den Kindern von alten Telefonen mit Wählscheiben und von Computern, die vor 40 Jahren noch so groß wie Wohnzimmerschrankwände waren. Dann gehe ich noch weiter in der Zeit zurück und mache den Kindern klar, dass ich in ihrem Alter von einem Computer noch nicht einmal geträumt habe. Da meldet sich Shanell: „Ich habe da mal eine Frage. Wenn Sie doch noch keinen PC hatten, wie sind Sie denn dann ins Internet gekommen?“
Gute Frage … analog dazu wüsste ich gern, wie man früher Nachrichten gehört hat, als es noch kein Radio gab. Hat es doch gottgegeben Internet und Nachrichten sicher schon seit Anbeginn der Schöpfung gegeben, so wie Sonnenschein und Regen. ;-)



ICH LIEBE MEINEN BERUF!!!