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Dienstag, 7. April 2015

Zwei Fliegen mit einer Klappe - Tasche passend zum Blazer

Am Osterwochenende habe ich mich nur kurzfristig beim berühmten Osterspaziergang dem noch kalten Wind ausgesetzt, dann aber die Zeit lieber drinnen genutzt, um meinen Blazer und die Handtasche fertigzustellen. Hier ist nun das Ergebnis ... wartend auf die nächsten, angeblich wärmer werdenden Tage:

Die Schnalle war ursprünglich als
zweiter Verschluss für die Handtasche gedacht.

Hinten hat der Blazer ein Schößchen,
das extra angesetzt wurde.
Der Schnitt stammt aus der Kollektion von ZWISCHENMASS.

Die Collegetasche ist - bis auf ein passendes Innenfutter -
 auch fertig geworden.

Sie passt zu dem Blazer wie dafür gemacht.

Da freut man sich auf den nächsten Stadtbummel ...

Samstag, 28. März 2015

Fehlerkorrektur - endlich! Was lange währt ...

Um die folgende Darstellung zu verstehen, empfehle ich einen Besuch folgender Links vorweg:

Strickfilztasche

Werdegang einer missglückten Tasche

Die getrocknete Tasche


Jetzt - nach mehr als 15 Monaten - geht die Geschichte weiter ... und das kam so:

Ich kaufte mir im vergangenen Dezember anthrazitfarbigen Walkstoff, dazu einen farblich passenden gemusterten Stoff, um mir daraus einen Blazer zu nähen. Der Nähprozess ist derzeit noch im Gange. Gestern hatte ich den Rumpf fertiggestellt und überlegte, wie ich die Jacke schließen könnte. Es gibt ja Alternativen:
  • mit einem Knopf
  • mit einer Tuchnadel
  • mit einer Schnalle ...
Schnalle? - Jaaaaa! Ich hatte doch derzeit für meine Filztasche zwei Schnallen gekauft. Und weil ich sie ja schmaler machen will, brauche ich nur noch eine und habe eine Schnalle übri

Ich kramte in meinen diversen UFO-Körben und wurde bald fündig. Ich fand auch eine Quittung. Oha! Für jede Schnalle hatte ich über 11 € bezahlt! Nun gut, sie sind ja auch aus echtem Leder gefertigt. Toll, dass ich nun beide verwenden kann!

Natürlich lag auch die missglückte Tasche im selben Korb. Jawoll! Endlich eine Gelegenheit, ein weiteres UFO landen zu lassen. Am Ende wird alles gut!

Ich legte sie also aufs Bügelbrett, überlegte, wie breit (bzw. schmal) sie werden solle, nahm Maß und ... huch ... hatte Mut, nahm meine große Schneiderschere und ... schnipp schnapp ... Mitte ab!

Die durchgeschnittene Tasche mit aneinandergelegten Schnitträndern

Die herausgeschnittene Mitte

Beim Durchschneiden hatte ich ein ähnliches Gefühl wie beim Zuschneiden meines Blazerstoffs, nur dass der Taschenfilz erheblich dicker ist.

Nun wurde es spannend. Wie das Zerschnittene zusammenfügen? So wie die Ränder aussahen ...


müsste man sie mit farblich passendem Nähgarn überwendlich doch ganz einfach wieder zusammennähen können. Ich machte mich ans Werk ...

Nähen mit feiner Nähnadel und Nähgarn

Ja - es klappte wunderbar! Nach und nach fügten sich die Schnittränder wieder voreinander. Man sah kaum etwas ...

Der dunkelgraue Teil ist schon genäht
Ich nähte den Stoff von der Ober- und von der Unterseite zusammen, damit die Fläche schön stabil würde. Es funktionierte.

Nur leichte Spuren der Trennung, die durch starkes Überbürsten noch schwächer werden

Sollte mich die Trennnaht stören,
dann müsste mich auch diese Stelle am Rand der Taschenklappe stören,
vermutlich entstanden durch das Vernähen von Fäden vor dem Filzvorgang.
Nein, das stört mich nicht ...
Der nächste Schritt war das Zerschneiden und Verkürzen des Trageriemens, den ich dann aber im Zickzackstich mit der Maschine zusammennähte. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, aber nur hier für den Gurt. Ich bin froh, dass ich die Tasche von Hand wieder zusammengenäht habe, weil die Naht so viel weniger sichtbar ist.

Ich habe sehr stark dran gezogen ... hält!!!

Die eine Schnalle will ich dann so auf die Tasche nähen:

Zunächst nur aufgelegt ...

Die andere Schnalle bleibt mir für den Blazer, den ich hier mal zusammen mit der Tasche auf dem Boden drapiert habe:


Die Jackenschnalle sitzt noch nicht richtig, ist nur angeriehen und muss noch verändert werden. Kommt Zeit, kommt alles ...

Sonntag, 8. Dezember 2013

Collegetasche Folge 2

Zum Durchtrocknen habe ich die Tasche heute Morgen über die Stuhllehne gehängt. Oh, vielleicht sollte ich auf diese Weise mal Stuhllehnenhussen stricken? An diesem Geflecht bleibt man nämlich mit empfindlichem Gestrick gern hängen und lässt sich Fäden ziehen (aus dem Pulli, der Jacke, nicht aus alten Wunden).


Toll sieht das Filzwerk aus! Ja, wirklich ... wenn nur die Größe passen würde. Wie merkwürdig die Tasche proportioniert ist, soll an diesen Fotos nochmal deutlich werden.



Vielleicht schon morgen komme ich in den Handarbeitsladen im Städtchen und werde mich dort mal umschauen, wie sich die Taschenspaltung noch bewerkstelligen lassen könnte. Vielleicht in der Mitte teilen und einen Webpelz drauf nähen? Ich bin sicher ... bald weiß ich mehr ...


Und sollte unter meinen LeserInnen noch jemand auf die Idee kommen, diese Tasche zu stricken, kann er wegen der Maße bei mir nachfragen. HEUTE WÜSSTE ICH, WIE VIELE MASCHEN UND REIHEN ICH STRICKEN WÜRDE!!!

Samstag, 7. Dezember 2013

Shit ... das war wohl nix!

Okay, nicht alles im Leben kann laufen wie geplant. Für die Collegetasche jedenfalls gilt dieser Satz. Aber ich wäre nicht lukreativ, wenn mir dazu nicht doch noch etwas einfiele. Doch der Reihe nach ...

Ich sitze an meinem PC, höre die Waschmaschine schleudern und gehe in den Keller:


Die Trommel schaukelt noch ein wenig hin und her. Zeit für mich, ein erstes Spannungsfoto zu schießen. Ich öffne die Tür der Maschine ... zunächst nichts Erstaunliches ... die Tasche ist noch da und scheint auch nicht zur Wichteltasche geschrumpft zu sein. Gut so, denn der bin ich ja auch nur im Herzen.


Ich hole den schweren Klumpen aus der Maschine, lege ihn oben drauf und ... und ...


naaaa ... das sieht aber etwas eigenartig aus. Ich ziehe das Teil etwas mehr auseinander, um zu erkennen, welche Maße mich denn nun erwarten ...


... och nöööö! Tatsächlich liegt vor mir nichts Besseres als eine missglückte Botanisiertrommel (O-Ton der Taschenerfinderin, die ich neulich am Telefon hatte). Dabei bin ich doch schon ihrem Rat gefolgt und habe die Tasche in der Höhe länger gestrickt. Wäre ich der Anleitung in der Zeitschrift gefolgt, die mir fehlerhaft erschien, dann wäre die Tasche jetzt nicht so breit. Der Fehler lag also nicht in der Angabe der geringen Maschenzahl für den Anschlag, sondern in der gezeichneten Maßangabe! Beides passte absolut nicht zusammen! So ein Mist! Lana Grossa hat demnach auf seiner Online-Korrekturseite den Fehler noch verschlimmbessert! 60 M für die Breite (statt nun 80, wie sie fälschlicherweise korrigiert haben) wären sicher angemessen gewesen. Stattdessen hätte man lieber in der Länge noch ein paar Reihen zugeben sollen. Diesen Fehler aber haben sie nicht korrigiert. Den falschen Fehler korrigieren macht immer noch einen falschen Fehler (bzw. erst recht einen RICHTIGEN!). Zu dumm!
Nachdem ich mit meinem Schatz ein kräftiges Handtascheindielänge-Tauziehen veranstaltet hatte, bei dem ich fast auf den Allerwertesten plumpste, verweilte ich nicht länger in seelischem Aua und überlegte, was ich denn nun mit dem Elend anfangen könne. Immerhin hatte ich für das Material über 80 € ausgegeben. Sie sieht ja prinzipiell hübsch aus, die Tasche, aber man kann sie beim besten Willen so nicht tragen, denn sie knickt auch noch in der Mitte ein.


Mitte??? - Jaaaa. Mitte!!! Ich hatte eine Ideee ... aber zunächst stopfte ich die Tasche zum Trocknen mit in Plastikfolie gewickelten Büchern aus und legte sie zu meinen braven korrekt portionierten Socken auf den Trockenständer im Keller. Nein, scharf finde ich die Tasche noch immer nicht ... (oder war es meine Handykamera, die einen auf unscharf machte?).


Sobutz machte ich mich zurück auf den Weg an meinen PC, um meine Mittendurchidee digital am PC vorweg zu basteln, bevor ich sie am trockenen Objekt umsetzen werde. So stelle ich mir die Tasche ungefähr vor, wenn sie fertig ist:

Stiche und Schnallen sind digital appliziert, auch der Schnitt wurde digital vorgenommen.
Daher passt auch das Trageband nicht. Das wird natürlich entsprechend in der Mitte gekürzt.

Ich beabsichtige, dem guten Stück in der Mitte einen Streifen herauszuoperieren, sie von der Rückseite (innen) von Hand wieder zusammenzunähen und zusätzlich einen Zierstich aus dicker Wolle (von außen nach innen durch) aufzusticken. Erst dann werde ich die Tasche für den überstandenen Schmerz entlohnen mit einem passenden Innenfutter aus Stoff. Das wird schon ...

Ja, wer bin ich denn?

Ein Riese? Wo ich doch seit Beginn des Monats mich im Wichtelstatus befinde? Na also, wer soll denn dann dieses riesige Monstrum über der Schulter tragen???



Mal sehen, wie ich die klein kriege. Vielleicht zu heiß waschen? Aber erst müssen die Fäden vernäht werden. Geträumt hatte ich eigentlich von der hier. Das Foto hat man allerdings in der Breite gestaucht, denn so hoch soll die Tasche gar nicht werden. Aber jetzt will ich mal erst fleißig die rumhängenden Fäden vernähen. Und dann folgt das versprochene Bad ...

Freitag, 22. November 2013

Schuhe für den neuen Papst

Ein Vorschlag zur Güte ...

Papst Franziskus, auch Pontifex der Bescheidenheit genannt, hat scheinbar noch keine roten Schuhe, wie sein Vorgänger sie immer trug. Vielleicht mag er - als bescheidener Papst - keine teuren roten Lederschuhe. Aber wie wäre es mit einem Paar einfacher Wollfilzschuhe? Meine Freundin Renate hat sich gleich ans Werk gemacht ...


Ob sie ihm wohl gefallen würden???

Zur Aufklärung ...

diesen kleinen Spaß haben wir uns heute beim Stricken im Café ausgedacht. Natürlich waren die Pantoffeln für eine Bekannte zu Weihnachten gestrickt worden. Trotzdem ... die Idee ... ???


Montag, 21. Oktober 2013

Was tun mit einer missglückten Boshimütze?

Ja, eigentlich, liebe Monika K., wollte ich mir aus Deinem immer noch nicht leeren Wunderwollkarton mal eine Boshimütze häkeln, nachdem ich letzte Woche einem jungen Mädchen beigebracht habe, wie das geht. Allerdings hatte ich nicht ihre Anleitung zuhause, musste also aus dem Gedächtnis die Zunahmen häkeln. Das Garn, das sie verwendet hat, war zudem auch ein anderes. Egal ... ich häkelte also drauflos ...

Aber jetzt zeige ich erstmal das Garn aus dem Karton, das ich ausgewählt habe. Zwei Fäden von dem dunklen Garn, ein Faden von dem melierten helleren.


Da die Boshimützen ja immer mit sehr dickem Garn gehäkelt werden, nahm ich drei Fäden zusammen. Los ging's ... doch bekam ich die Wölbung irgendwie nicht so gut hin. Außerdem war bald schon das dunkle Knäuel aufgebraucht. Hm ... was tun? 

Ich überlegte nicht lange, steckte das missglückte Teil einfach in die Waschmaschine und wartete, was anschließend herauskommen würde. Tataaaaaaaa ... nicht schlecht:


Ich stülpte die "Mütze" über eine Porzellanschale und ließ sie so trocknen. Na, dieses Dekoteil passt doch wunderbar zu allen anderen Sachen, die ich in der letzten Zeit zusammengestellt habe. Natur, warm, gemütlich.

Schnell waren einige Nüsse aus der Vorjahresernte vom Walnussbaum meiner Patentante gegriffen und hineingetan.



Es ist Herbst!
Frau Nachbarins Äpfel sind lecker und sehen schön aus.



Die Energien des Sommers ziehen nach innen und wärmen das Gemüt.



Und auch zu meiner neuen Errungenschaft passt das Schälchen. In dem Weinflaschenbehälter wird nun nicht Trink-, sondern Strickbares landen. Ein Wollfaden zeugt davon.


Dienstag, 9. Oktober 2012

Tageslichtfoto

Jawoll! So sieht man das Muster viel besser:


Ich liebe dieses Vehikel!
Sogar kleines Strickzeug passt rein - und das ist für unsereins ja sooo wichtig!

Montag, 8. Oktober 2012

Riemen verbessert

Nachdem an meiner Filztasche RAGNA die Kordel immer fusseliger wurde, habe ich aus dem gleichen Garn zwei neue Riemen gehäkelt und gefilzt. Die aus der Waschmaschine gezogenen Riemen habe ich dann mit 8 Knöpfen an die Tasche genäht. Die Knöpfe stammen aus der tollen Knopfsammlung meiner Freundin Teresa. DANKE, Teresa, auch Männe war total begeistert! Passendere Knöpfe könne man gar nicht finden, meinte er. Und die von Dir geschenkte Anzahl von Knöpfen passt genau - ich brauchte alle 8 Knöpfe, die Du aufgenäht hattest.

So gefällt mir meine Tasche RAGNA jetzt viel besser!
Ich denke, die Tasche sollte ich nochmal bei Tageslicht fotografieren, weil dann das schöne keltische Muster besser sichtbar wird. Dazu braucht man Licht von der Seite, weil das Muster mit seinem Relief vor allem durch Licht und Schatten optimal zur Geltung kommt.

Sonntag, 13. Mai 2012

Verliebt

Na gut - da meine liebe Freundin ungeduldig ist wie ein kleines Kind *lach* und das Päckchen schon drei Tage zu früh ausgepackt hat, habt Ihr auch was davon und könnt es schon heute anschauen. Da:



Am 15. Mai sollte es eigentlich erst ausgepackt werden. Dann kann ich ja jetzt die Mailbenachrichtigungsfunktion auch wieder anklicken. ;-)
Zu dem Geschenk:

Es hatte mich sofort erwischt, als ich neulich im Handarbeitsgeschäft im Nachbarstädtchen diese landlustigen Pulswärmer entdeckte. Beim Klicken auf den Link kommt Ihr auf die Internetseite der "Landlust", wo man die Anleitung als kostenlosen Download findet unter "Pulswaermer_Schal". 
Die Inhaberin hatte das benötigte Material in einem Cellophantütchen als Materialpackung zusammengestellt, und zwar verschiedene Versionen. Im Schaufenster hatten zwei fertige Versionen gelegen. Ich war sofort verliebt!

Es handelte sich um Shetlandwolle von Rowan und um kleine Mengen Kid Silk zum Umhäkeln und Besticken. Erinnert Ihr Euch, dass ich neulich hier die gestrickten Pulswärmer vorstellte, bevor sie zum Filzen in die Waschmaschine kamen?

Wer sich ebenso verliebt, kann hier online diese Materialpackungen bestellen. Man muss im online-shop ein bisschen suchen, aber das findet man schon. Sie werden unter dem Namen "Gefilzte Pulswärmer Schwesternherz" verkauft.

Nachdem nun die Teilchen fertig waren, wollte ich noch etwas ergänzen. Ab ins Städtchen und ein bisschen locker bummeln ... da findet sich schon was ...

Zuerst entdeckte ich bei Bijou Brigitte dieses nostalgische Kettchen mit drei Anhängern, einem Blümchenmedaillon, einem Herzchen und einem hellgrauen Schleifchen. 


Im Buchgeschäft lachte mich ein kleines Bändchen mit Lebensweisheiten an. Von Frau zu Frau ... ich weiß, dass sie Lebensweisheiten mag ...
Und zum Schluss kam noch ein Päckchen hmm-duftender Kaffee aus Sumatra dazu, der in einer kleinen Kaffeerösterei frisch geröstet und gemahlen wird.

Natürlich sollte auch die Verpackung zum Stil passen. Schön verspielt sollte sie sein. Ich wünschte es mir so, glaubte dran ... und schwupps ... da trat sie schon vor meine Augen - in einem Geschäft, das ich sonst noch nie betreten habe.


Hier nun alles vereint auf einem Foto:


Pulswärmer Schwesternherz ...
hm ... sie ist nicht meine Schwester ...
aber wie eine Schwester,
mit der ich über alles reden kann ...
wirklich über ALLES!

Sonntag, 6. November 2011

RAGNA ist durchgeprickelt!

So sieht meine Filztasche nun fertig aus:


Sie gefällt mir sehr gut. Damit sie nicht offen steht, habe ich noch Magnetdruckknöpfe angebracht:


... und noch einmal - wegen der schönen Kontraste - in Grautönen:


Nun ist sie ausgehfertig und freut sich auf mein Unterwegs-Strickzeug!



Samstag, 5. November 2011

Celtic passion - keltische Leidenschaft

Heute möchte ich als Hommage an Sinchen ganz genau darstellen, was sie mit ihrem Tipp, eine Filznadel zum Nacharbeiten zu verwenden, bei mir ausgelöst hat.
Es begann mit dem Kauf von zwei Filznadeln plus Holzgriff in Bielefeld. Fündig wurde ich nicht in einem Wollgeschäft, bekam aber den Tipp, es in einem Filz- und Bastelladen zu versuchen. Zuhause machte ich mich gleich an die Arbeit und fand die Tätigkeit zunächst nicht "prickelnd", sondern ziemlich stupide. Dann brachen kurz nacheinander auch beide Nadeln ab und ich musste in meinem Städtchen welche nachbesorgen. Dieses Mal nahm ich etwas dickere Nadeln, die es in einem Päckchen zu drei Stück gab.
Erneut machte ich mich ans Werk und staunte, wie schön die mit viel Liebe gestrickten Zöpfe oder Laces (Bänder)  herauskamen.
Daher erstmal einen ganz lieben Dank an Sinchen, ohne die ich wohl weiterhin etwas enttäuscht geblieben wäre über das Ergebnis des Wasch- und Filzvorgangs.

Auf dem folgenden Foto erkennt man deutlich den Unterschied zwischen dem Muster vor und nach dem Nadelfilzen:


Während ich so vor mich hinsinnierte, denn ein sachbezogenes Denken ist bei der Prickelei ja nicht vonnöten, fiel mir plötzlich ein, dass ich so etwas vor vielen Jahren schon einmal gemacht hatte, allerdings mit Breitbandfeder und Gitternetzen (grids) auf Papier.
Eine alte Leidenschaft kam in meiner Seele wieder zum Leben. So hatten wir in den 90er-Jahren mal einen Urlaub in Schottland verbracht, wo mir überall die keltischen Laces begegneten, vor allem auf den keltischen Kreuzen. Es war damals so, als würde ich etwas in mir Verschüttetes wiedererkennen. In solchen Momenten habe ich immer das Gefühl, als seien Anteile der eigenen Seele in einem anderen Zeitalter schon mal "dabei" gewesen. Dieses Gefühl möchte ich so beschreiben:

Ums Herz wird es warm.
Eine innere Freude unendlichen Ausmaßes kommt auf.
Es juckt einen geradezu, das Gesehene nachzuvollziehen, zu begreifen, nachzuarbeiten.
Man "jagt" regelrecht allem hinterher, was so aussieht.
Man ist erst zufrieden, wenn die Hände sich ans Werk machen können.
Es stellt sich ein großes Glück im Inneren ein, wenn man sein fertiges Werk in Händen hält.
Man fragt sich allen Ernstes: War dieser Seelenanteil von mir zu damaliger Zeit etwa schreibender Mönch in einem keltischen Kloster ... oder Steinmetz oder Holzschnitzer an einem Wikingerschiff oder an einer Stabkirche ... ???


Das Gefühl gleicht der Freude bei der Wiederbegegnung mit einem geliebten Menschen, den man sehr lange nicht gesehen und verloren geglaubt hat.


So ging es mir mit den keltischen Laces, anschließend mit dem "Book of Kells" , dann in Norwegen mit den Holzschnitzereien an den Stabkirchen, mit alten skandinavischen Traditionen, die auf der Wikingerkultur beruhen, dann auch mit der skandinavischen Sprache, die ich ohne Mühe und ohne Lehrgang so weit lernte, dass ich mich in Norwegen heute verständigen kann.

In Schottland war mein Fokus von dem Moment an auf Bücher gerichtet, die vermitteln, wie man Laces und Knots zeichnet. In einem Tourist Information Center wurde ich bald fündig:
 


Zuhause angekommen konnte ich es kaum erwarten, die Bücher zu studieren. Eine meiner derzeitigen Handzeichnungen mit Tusche und Breitbandfeder möchte ich hier zeigen. Es gibt noch mehr und auch größere davon:


Dies war zu der Zeit, als ich noch keinen Computer besaß. Die Abende verbrachte ich stundenlang - die Bücher studierend und probierend - am Schreibtisch. Auf dem folgenden Foto habe ich einmal das Prinzip herauszuheben versucht, weil es auch beim Nadelfilzen des Wikingermusters sehr hilfreich ist, die Struktur des Musters zu durchschauen. Die gelben Flächen sind es, die man mit der Breitbandfeder zuerst zeichnet. Es sind die Zwischenräume zwischen den Bändern. Erst dann werden die Begrenzungen der Bänder (hier mit weißer Linie angedeutet) mit einem Fineliner gezeichnet, wobei man immer beachten muss, ob sie über ein anderes oder unter einem anderen her führen. So ergibt sich dann das Muster:



Hier setze ich gerade mit der Filznadel an um eine Bandbegrenzung hervorzuheben. Dabei muss man sehr aufpassen, dass man dies an der richtigen Stelle ausführt. Dazu ist es hilfreich, immer wieder etwas Abstand zu nehmen und das Ganze in seiner sich entwickelnden Struktur zu betrachten.



Hier wird ein tiefer liegender Zwischenraum (eine kleine Raute) herausgearbeitet:



Zuletzt zeige ich die gezeichnete Struktur auf dem Gestrick (so wird es deutlicher) ...



... und entferne anschließend das Gestrick - übrig bleibt die angedeutete Zeichnung: