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Donnerstag, 4. Oktober 2012

Einfach nur groggy

Hier passiert nicht viel? Stimmt! Dass ich kaum oder nur sehr wenig stricke und noch weniger blogge, ist schon so etwas wie ein Symptom, von denen ich derzeit eine ganze Reihe habe. Dauer-Kreuzschmerzen, die über den Ischias ins linke Bein ziehen, ständig wiederkehrende Schluckbeschwerden (ich kann's nicht mehr so richtig schlucken), vorübergehende Hörstörungen (ich mag's nicht mehr hören, das Gekreische), Kopfschmerzen unter der Schädeldecke und ein ständiges Gefühl von ich-kann-nicht-mehr.
Ja, meine Gang macht mir schon ganz schön zu schaffen. Was sie am besten können, ist das gegenseitige Aufschaukeln. Da gibt es immer wieder extreme Empfindlichkeiten, die in Gekloppe, Gespucke, Gekratze und Getrete enden. Lieblingsschimpfwort von Muhammeds zu Teutonis: Schweinefleisch!
Nun, so ist das, wenn man zuhause lernt, die Welt in Gläubige und Ungläubige aufzuteilen.
In letzter Zeit höre ich immer wieder: "Deinen Beruf möchte ich nicht haben." Ehrlich - ich zur Zeit auch nicht!
Nun wollte ich die Herbstferien für Wellness und Wiederaufbau nutzen, was aber schon wieder eingeschränkt ist, da mein wilder Haufen nach den Ferien ein Training bekommen soll. Bedeutet für mich: Fortbildung. Die findet - freiwillig gewählt - zuhause statt und lässt sich mit einem Buch durchführen. Weil's eine Kollegin in ihrer ähnlich verdrehten Klasse bereits erfolgreich durchgeführt hat und nun entspannter wirkt. Also tu ich's für mich (UND für die Kids). 


Das tägliche Rosa-Tütchen-Zettelchen bekommt heute folgende Notiz:

Heute hat Frau Ess (eine Schülermutter) die Arbeit an den Lernstationen begleitet, was sehr hilfreich war. Anschließend äußerte sie, dass sie von dem Unterricht "sehr beeindruckt" war und dass ich es sehr schwer hätte. (Anerkennung durch die Eltern ist für Lehrerseelen positive Nahrung, weil man dann gemeinsam Lösungswege entwickeln kann.) Prinz 2 bekam als Konsequenz auf ständiges Schlagen beim Aufstellen eine Maßnahme verordnet. Er musste bis zum Schluss auf einem Stuhl sitzen und zuschauen, wie man sich ruhig aufstellen kann. Prinz 1 musste auch auf einen Stuhl, weil er auch nur herumschlug. Beide nahmen die Konsequenz an und durften die Klasse erst verlassen, als alle draußen in der Pause waren. Es hat heute funktioniert! Kleine Schritte sind auch Schritte ...
An den Lernstationen haben die Kinder heute so gut gearbeitet, dass das Material nach den Ferien auch in der Freiarbeitszeit verwendet werden kann, ohne, dass ich viel erklären muss.

Die vielen "Schwarzes-Tütchen-Notizen" habe ich heute schon auf den Kompost geworfen mit dem Begleitgedanken: Kompost ist besonders fruchtbar und stärkt das Wachstum, wenn man ihn unter die Erde mischt.
Was aus dieser Gang wohl in vier Jahren werden kann ... spannend!


Mittwoch, 26. September 2012

Erster Rosa-Tütchen-Erfolg

Heute schreibe ich es hierher ... das Rosa-Tütchen-Zettelchen.
Das dicke Ding, was ins schwarze Tütchen gehört, habe ich noch in seinem Tütchen in der Ecke stehen. Es buhlt noch immer um meine Aufmerksamkeit. Aber die schielt schon nach etwas ganz anderem. Wenn ich dieses Post geschrieben habe, wird alle Buhl-Energie ins Neue eingeflossen sein.

Und das geht jetzt so:

Thema in der Religionsstunde war heute DIE TÜR. Ein Bild von einer Tür, die ein wenig offensteht, hinter der helles Licht in den diesseitigen dunklen Raum strahlt, füllte die ganze Projektionsleinwand aus und animierte zum Erzählen und Fantasieren. Ein Kind beschrieb sich in einem dunklen Raum und wollte raus zum Spielen, weil da die Sonne scheint, ein anderes sah sich im Bett liegend und wollte, dass die Tür geschlossen wird, damit es schlafen kann. Man spürte, dass die Kinder seelische Erfahrungen mit dem Rein-Raus-Hell-Dunkel-Geborgensein etc. hatten. 
Ich erzählte dann die Geschichte von Peter, der sich aus Versehen in der Garage eingeschlossen hatte und in der Dunkelheit verharren musste, bis seine Mutter vom Einkaufen kam und ihn erlöste. Auch dazu hatten die Kinder kleine Erlebnisse zu berichten, z. B. Klein-Irina (Name geändert), die mal von ihrem Bruder im Badezimmer eingeschlossen worden war und aus Wut das ganze Haargel von Mama auf Boden und Wände geschmiert hat. Wie das ausging? Ach, eigentlich ganz gut für sie, denn als die Eltern nach Hause kamen, hat sie ganz schnell mit einem Waschlappen das Haargel wieder weggewischt und ihr Bruder hat mächtig Ärger bekommen. Ob denn das weggegangen sei, fragte ich. Och jaaaa, das haben die nicht gemerkt, meinte sie grinsend und wackelte lustig auf ihrem Stuhl herum.
Nun gab es eine kleine Schulwegreise mit geschlossenen Augen. Man sollte sich den Weg aus dem Bett bis ins Klassenzimmer vorstellen und zählen, wie viele Türen man auf dem Weg durchschritten hat. In der Runde durfte jeder seine Zahl sagen. Das ging von 3 bis 5000 (natürlich ein Kinderquatschweg, über den wir gelacht haben, der sich dann folgerichtig noch einige Male mit anderen Riesenzahlen wiederholte).
Die Türen wurden benannt, auf einem großen Bild wiedererkannt. Da gab es die Zimmertüren, die Wohnungstüren, auch mit Spion, damit man den bösen Einbrecher nicht reinlässt, wenn Mama und Papa nicht da sind, da gab es die Haustür mit Klingel, die Schultür und zuletzt die Klassentür.
Und die hat es NICHT in sich, denn die ist sch...ebraun und langweilig.  

So gab ich den Kindern eine Schwarzweißzeichnung von der Klassentür mit Klinke und Klassenschild daneben. "Was meint ihr? Wollen wir unsere Klassentür nicht mal schön machen?" "Au jaaaaaaaa!", kam es begeistert zurück. Nein, nicht, dass Ihr jetzt denkt, wir würden die Tür bemalen (Ärger brauch' ich keinen dazu, den lassen wir jetzt mal schön im schwarzen Wegwerftütchen), aber man kann ja große Papierbögen zusammenkleben und bemalen. 

Was die Kinder sich ausgedacht haben, möchte ich hier mal zeigen:


Herzchen-in-Landschaft-Türen
Einhorn-auf-Bergwiese-Türen
Bunte-Muster-Türen
Biene-Maja-im-Sonnenschein-Türen
Regenbogen-Türen (das wär' auch meine gewesen)
Schmetterling-im-Grünen-Türen
Sonne-und-Regen-Türen

Na, das lässt sich doch wunderbar gruppieren. 
Der nächste Kunstunterricht ist schon im Groben vorbereitet. Am Freitag wird es eine gemeinsame Bildbetrachtung in der Klassenmitte geben. Ähnliche Bilder führen Kinder zu einer Malgruppe zusammen, denn sie werden mit ihrer ähnlichen Zielvorstellung am besten zusammen malen können. Und endlich darf der Wasserfarbkasten mit allen dicken Pinseln eingesetzt werden. Putzhilfen für hinterher haben sich schon angemeldet. Es sind Eltern, die Interesse am Unterricht bekundet haben. Nur wissen sie noch nichts ... vom Putzen. Ob ich sie vorher informiere? Die Kleidung sollte ja auch passen ...

Na, ist das nicht ein feiner fetter Rosa-Tütchen-Zettel?

Dienstag, 25. September 2012

Eigenmotivation


Nach dem Prinzip des rosa Tütchens habe ich mir für das ganze Schuljahr vier Zettelstapel auf meine Fensterbank gelegt - für jeden Schultag einen, für jede Woche eine wechselnde Farbe. Ganz links liegen die Tage seit gestern bis zu den Herbstferien (Ende nächster Woche), dann Herbst bis Weihnachten, Weihnachten bis Ostern und Ostern bis zu den Sommerferien. Die Idee ist nicht, die Zeit möglichst schnell herumzuKRIEGen, sondern jedem erlebten Schultag etwas Positives abzugewinnen, was einem Kraft für weitere Schultage gibt.
Am Schuljahresende habe ich dann eine Doku meiner "Steineklopperei" und es wird sicher leichter sein, damit ins neue Schuljahr zu gehen.

Da steht z. B. für gestern:

J. hat in der ersten Stunde sehr aufmerksam mitgearbeitet. Sein Papa zeigte großes Interesse an der schulischen Arbeit. Wir hatten nach der letzten Stunde ein langes Gespräch. 
Herr H. und Frau G. wollen auch gern am Unterricht teilnehmen.
Frau A. hat die Hilfe ihrer Schwiegermutter angesagt, die pensionierte Sonderpädagogin ist. Frau A. will selbst am Do bei den Lernstationen helfen.
"Prinz 2" hat die Weisheit eines früheren Erstklässlers verinnerlicht und wendet sie ständig an (dazu mehr am Ende des Posts). 
Die freie Lernzeit war heute sehr angenehm und effektiv. Die Kinder haben sich Aufgaben aus den Lernstationen der Vorwoche geholt.

Ist doch ganz schön viel Schönes für einen Tag ... und ein schwarzes Tütchen stelle ich mir gar nicht erst hin, denn das würde ich ja eh am Wochenende wegwerfen. ;-) Wozu der Müll???




Hier nun ein Erlebnis, das ich vor vielen Jahren mal mit einem Erstklässler hatte (ich zitiere aus meinen eigenen Aufzeichnungen, die ich als Datei gespeichert habe):

An einem der ersten Tage wollte mir R., ein dünnhäutiger, schmaler und hochgewachsener Junge mit graublauen Augen, etwas von sich erzählen:

„Du, Frau Enn, bei mir ist das so:

Wenn ich denke, ich kann was,
dann kann ich das
und wenn ich denke, ich kann was nicht,
dann kann ich das.“

Ich war perplex! Was für eine eigenartige Logik ... hm ... natürlich hatte ich in Gedanken längst ergänzt „dann kann ich das nicht“.
Ich äußerte diesen merkwürdigen Satz einem Bekannten gegenüber, der dazu meinte: „Ja, das ist die Energie der neuen Erde.“
Was meinte er damit? Nun, ganz einfach: Es geht um einen Evolutionssprung. Und ein Evolutionssprung macht sich immer zuerst in den Kindern bemerkbar.
Es ist schon nicht so einfach, dieser Kinderweisheit einen Sinn zu entnehmen. Mir hat er sich inzwischen nicht nur erschlossen, nein, es ist  viel besser ... ich lebe einfach danach! Diesem Jungen bin ich unendlich dankbar ... er war ein Initiator für viele Folgeerlebnisse in meinem Leben.

Was heißt das nun konkret - „wenn ich denke, ich kann etwas nicht, dann kann ich das“?

Das heißt:
Ich kann denken, was ich will, ich kann alles. Wenn ich etwas will, kann ich das. Ich tue, was ich will und ich sehe, dass ich es kann, weil ich es tue.

Wie funktioniert das?
Die Zeitphase, aus der wir so nach und nach herauswachsen (man kann sie auch altes Paradigma nennen), ist geprägt von Logik, von Kontrolle, von Angst. Diese Elemente binden Energien, die dann für den göttlichen Willen, der sich durch den einzelnen Menschen ausdrücken möchte, nicht zur Verfügung stehen. Dies macht sich bemerkbar durch mangelnde Präsenz, denn statt dem Augenblick zu vertrauen, ist man ständig damit beschäftigt, Vorgänge zu planen oder im Nachhinein zu verwalten. So verpasst man stets das, was das eigentliche Leben ausmacht, nämlich das Ausleben der uns alle innewohnenden göttlichen Energie, die erkennbar ist an Lebensfreude und gelebter Kreativität.
Das Leben ist ein Fluss, in dem wir baden und uns täglich erneuern.

So weit das damalige Erlebnis mit R., das mir gestern half, einen kleinen Kann-nicht-Denker zu motivieren. Bei allen Anforderungen sagte er immer "Das kann ich niiiicht". Ich erzählte ihm von R. und er hörte sehr aufmerksam zu. Schließlich ging es um einen Jungen, der auch im ersten Schuljahr war wie er jetzt. Als ich fertig war mit dem Erzählen, begann er sein Bild zu malen. Ohne Umschweife, nein, noch mehr - ich fragte ihn, ob ich ihm noch irgendwie helfen solle. Da schob er vehement meine Hand mit Stift weg und sagte: "Neeeee, ich bin nicht mehr klein!"
Heute dann stand er plötzlich vor der Klasse und verkündete die Weisheit - leicht abgewandelt - als mal wieder jemand herummaulte, er könne etwas nicht. Schwupps, machte der seine Aufgabe ... 

An der Wand hängt nun ein Blatt Papier, auf dem steht:

Wenn ich denke,
ich kann etwas,
dann kann ich das.

Wenn ich denke,
ich kann etwas nicht,
dann kann ich das!

Wenn ich einfach nur will, 
dann geht es ...

Übrigens hat mir jener R. von damals Monate später erzählt, das klappe bei ihm jetzt nicht mehr. "Warum denn nicht?", fragte ich ihn neugierig. "Hm ... das ist ja ein Trick und ich kenn' den jetzt."

Bei mir klappt er trotzdem ... vielleicht, weil ich weiß, dass wir uns die Welt selbst schönreden? Machen wir doch immer!!!

Wenn ich einfach nur will, 
dann geht es ...

Ich will morgen in die Schule
und dafür will ich gut vorbereitet sein
(mit einem Korb voller Möglichkeiten)


Euch wünsche ich einen schönen Abend!

ULL-Rike, die WOLL-Reiche

Samstag, 22. September 2012

In der Wiege der Genies

Große Architekten, geniale Mathematiker, herausragende Künstler ... alle sind sie mal zur Grundschule gegangen. Unter diesem Aspekt betrachte ich heute mal "das Kind", das seine ganze Genialität im zarten Alter von 6 Jahren zum Ausdruck bringt.

Jason ist es heute wieder mal, der im Kino so gern Popcorn isst.

Diese Woche ist Apfelwoche gewesen. Da wurden Äpfel betrachtet, geschmeckt, gefühlt, beschnuppert, verglichen, zerschnitten, untersucht, gezeichnet, besungen. Auch Jason verwirklichte diese Woche die ganze Bandbreite an Talenten, die in ihm schlummern.

Zum ersten Mal haben wir am Mittwoch unseren Deckfarbkasten erprobt. Um das Chaos in kleinen Schritten handhaben zu können, wurde damit erstmal gedruckt ... ein Fingerdruck sollte es werden. Ein Apfelumriss durfte nach Belieben mit Fingerabdrücken ausgetupft werden. Jedes Kind bekam einen kleinen Lappen und einen Schwamm, der nass gemacht und kräftig ausgedrückt wurde. So konnte man immer wieder den Finger nass machen, ihn in einem Farbnäpfchen drehen und dann in dem Apfelumriss abdrucken. "Laaangweilig!", hörte ich schon nach einigen Minuten, denn mit Geduld haben sie es halt nicht mehr so heutzutage, wo alles schnellschnell gehen soll.
Um die anstrengende Sache bald beenden zu können, begannen die ersten Kinder, die Farbe mit dem Finger aufs Papier zu wischen. Tja, ich hatte es ja nicht hören wollen (Lehrerin mit tauben Ohren!), sie wollten doch mit dem Pinsel malen! Einige wenige, die von der ruhigen Art, legten sorgfältig Abdruck an Abdruck, wählten echte Apfelfarben, fühlten sich dabei aber vielleicht doch nicht so recht wie echte Künstler.
Ganz anders Jason ... ihm ein sorgfältiges Drucken abzuverlangen wäre ein vergeblicher Kampf gewesen, der mich viel zu viel Kraft gekostet hätte.

Er bewältigte die gestellte Aufgabe in wenigen Minuten, und zwar wie folgt:

Er steckte alle zehn Finger gleichzeitig in den Schwamm, anschließend auch alle zehn Finger in viele Farbnäpfchen gleichzeitig, rührte, rührte ... dann kamen alle Finger gleichzeitig aufs Papier in den Apfelumriss ... wisch, wisch ... FERTIIIIG! Total vermanscht, aber er fand es schön. Das Bild sah positiv-verrückt aus. Ja, so will ich es mal bezeichnen, denn - wie gesagt - ein Kampf mit Klein-Jason ist aussichtslos. Daher definiere ich an solchen Stellen immer negativ als positiv und bleibe in einem Zustand von innerem Hahahaaa.
Kann ich jetzt mit dem Pinsel malen?, fragte Jason. Ich lasse ihn ... "Ich bin ein Künstler", stellt er lapidar fest, geht zum Waschbecken und holt sich Wasser in einem dicken Einmachglas, das ich ihm gegeben habe. Und nun folgt seine Vorstellung von Kunst. Sein erstes Pinselbild malt er schwarz, er malt sehr viel Schwarz, noch mehr Schwarz, ein bisschen Rot. Die Arme der Wesen sind Schwert-Arme, die Hände spitz und gefährlich. "Wer ist denn das?", frage ich ihn. "Star Wars", antwortet er stolz, "das da ist Dark Mall." (Keine Ahnung, bipt es den?) Was macht eine Lehrerin um ihre Kids zu verstehen? Na, es gibt doch Guckel ... dort finde ich Darth Maul - Vorsicht - beim Anklicken keinen Schreck bekommen! Ich gebe zu, dass ich mich erschrocken habe, wenn ich mich auch erinnern kann, dass ich in meiner pubertären Zeit auch solche Wesen mochte. Es waren für uns die gruseligen Abziehbildchen, die man in kleinen Überraschungstütchen kaufen konnte, in denen dann auch noch etwas Süßes zu finden war. Hmm ... war es Popcoooorn? Oder farbiger Puffreis?
So weit so gut ... Jasons Farbkasten sah dann halt auch aus wie bei einem echten Künstler, der Tisch auch, der Fußboden darunter auch. Die anschließende Reinigungsaktion presste mir den Schweiß aus der letzten Pore, trainierte meinen Geduldsfaden und erhöhte meinen nachunterrichtlichen Schokoladenkonsum.
Es gab nur ein Stückchen, denn nach dem Herausschieben des letzten Zappelmanns aus dem Klassenzimmer und dem Abschließen der Tür musste ich gleich über den Schulhof zur Bushaltestelle. Ich hatte Busaufsicht. Auf dem Rückweg kam ich an dem Kiesbeet vorbei, das vor der Kletterwand angelegt worden war um Herabstürze der Kinder zu mildern. Wer saß dort, ganz versunken in sein Tun? Es war Jason. Ich hätte ihn unbeachtet links liegen lassen können, aber ich bin neugierig auf das Innenleben von Kinderseelen. So hockte ich mich zu ihm, der dort saß und mit einem breiten Lineal die winzigen Kieselsteinchen in sein offenes Etui baggerte. "Was spielst du denn hier?", fragte ich ihn. Zwei braune Augen schauten mich erstaunt an: "Na, ich bagger doch ..." - "Warum hast du denn dein Etui mit auf den Schulhof genommen?", fragte ich. "Das hab' ich aussersehn mitbenommen," ist seine Antwort. "Und dann war die Tür zu. Da konnt' ich es nicht mehr reintun." - "Das darfst du aber nicht, Jason. Schau mal, wie deine Stifte jetzt aussehen." Alle Stifte sahen schon reichlich ramponiert aus, hatten Kratzer, einer war schon abgebrochen und dem Lineal fehlte auch schon ein Eckchen. Ganz ruhig und selbstbewusst erklärte er weiter: "Macht ja nix, ich hab ja viele Stifte. Ich hab' auch schon mal was verscheeenkt." - "Nee, sag bloß, du hast Stifte an andere Kinder verschenkt?" "Jaaaaaa, nee, auch Bücher." Mir schwante Fürchterliches. "Jaaa, wir haben das blaue Buch doch gar nicht gebraucht. Das hab' ich einem Kind auf dem Schulhof geschenkt. Jaaa, weiiil, das wollte ich nicht mehr rumtragen. Jaaa, weil wir das ja nicht gebraucht haaaben." Mir fiel nichts mehr ein, ich war regelrecht sprachlos und nahm mir vor, am Montag mal in seiner Tasche nachzuschauen, was denn da überhaupt noch drinnen sei.
Ein anderes Mal fragte ich Jason nach seinem Papa, der laut Aussage seiner Mutter in Afrika lebt. "Warst du denn schon mal bei deinem Papa in Afrika?", fragte ich ihn. "Neee," kam seine langgezogene und ruhig gesprochene Antwort, "ich kann da nicht aaatmen." - "Wieso das denn nicht?", wollte ich wissen. "Nee, die atmen da alle sooo", sagte er und demonstrierte das afrikanische Atmen, indem er den Mund weit öffnete und Luft heraus- und hereinließ. "Ich will aber so atmen", kam dann, er schloss den Mund und tat ein paar Atemzüge durch die Nase. "Jaaa, und das kann man da niiich." 
Also echt jetzt ... habe ich in der Schule nicht aufgepasst? Ist in Afrika die Luft so dünn, dass man Schnappatmung bekommt???

Dies war nur ein ganz winziger Ausschnitt aus einer Woche prallem Lehrerleben ... bin echt groggy und freue mich auf meinen allerprallesten Wochentag mit fünf Stunden kuriosem Kinderquatsch ... meinen Montag in Klasse 1.

Und nächstes Mal gibt's wieder was aus ULL-Rikes Strickwelt - versprochen!

Donnerstag, 13. September 2012

Erfahrungen

Auch schon mal im Kino gewesen? - Na, dann werdet Ihr gleich lächeln.

Heute Morgen habe ich zum ersten Mal Laptop und Beamer im Unterricht eingesetzt. Schon vor dem Unterrichtsbeginn standen die Kinder staunend vor der großen Leinwand. "Ui, machen wir heut' Kino?", fragt Mary interessiert. Im Spaß sage ich: "Ja, ganz tolles Kino! Aber ihr habt ja erstmal Sport bei Frau Hickelbein." (Name von der Redaktion geändert)

Was wirklich auf der Leinwand präsentiert wird, sind Aufgaben, die ich eingescannt habe und die die Kinder anschließend selbstständig auf einem Blatt Papier bearbeiten können.
Jason kommt ganz vorsichtig zur Leinwand, fasst einmal dran, dann wendet er sich zu mir um. Mit dem Finger am Mund fragt er mich etwas - ganz leise. Ich verstehe bittestopdooorn ... ich frage nach. "Was meintest du, Jason? Es ist so laut hier, ich habe leider nichts verstanden." Er wiederholt seine Frage - dieses Mal lauter, so dass ich verstehe: "Bipt es Popcoooorn?"

Diese Frage hätte ich meiner Grundschullehrerin niemals gestellt. Aber ich war ja auch mit 6 Jahren noch nicht ein einziges Mal im Kino, wir hatten noch nicht einmal einen Fernseher und Popcorn gab es nur auf dem Kindergeburtstag. 


Dienstag, 11. September 2012

Erst der Spaß und dann das Vergnügen ...

Hm ... kommt Euch der Spruch nicht komisch vor? Haben wir als Kind nicht schon gelernt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen?  - Stimmt! - Bei mir soll es heute aber erst den Spaß geben - den frischen und unverstellten Kinder- (nein, auch Eltern-)mund, dann das Vergnügen an meinen Nach- und Vorbereitungen. Warum so herum?
Weil mich der Spaß am Erzählen belebt und mir das Weiterarbeiten zum Vergnügen macht. Verdreht? - Warum nicht? Es passt doch viel besser zu einer so verdrehten Welt.

Also ... legen wir los:

Zuerst wollte ich Euch mal fragen (so wie es der französische Komiker Alfons mit dem Puschelmikrofon in seiner aktuellen Show tat):

Wie heißt nochmal der Ort,
  • an dem sich Jugendliche treffen?
  • an dem es so furchtbar laut ist?
  • wo alle herumzappeln?  
Selbst ich rief vom Sofa aus laut in den Raum:

Das ist 'ne DISCO!

Dabei müsste gerade ich es doch besser wissen. Wisst Ihr's?
Auflösung ganz unten!




Gewitter ... PC aus!


Es wird wieder heller ... nach Blitz und Donner, Kübeln mit water from the sky, einem riesigen Wasserfall aus der Dachrinne, weil Nachbars Apfelbaum sich selbst auf unser Dach aberntet und unser Fallrohr mit Äpfeln füttert, ein Leck im Dach, wo's runter in den Carport tropft ... Männe braucht halt auch was zu tun.


Aber nun zurück zum täglichen Wahnsinn in deutschen Bildungsanstalten:

Heute früh vor dem Unterricht stand Mama von Prinzchen 1 des mohammedanischen Triumvirats in der Klasse und wollte mich sprechen ... "mal so ganz allein. Die andere Eltern sollen aber nicht hören ... ich mit Sie zusammenarbeit, gutt?" - Ja! Immer gutt zusammenarbeit ... allein kann nicht, hat Grenze. 
Ich gehe also mit ihr vor die Klassentür. Sie lächelt verschämt, guckt nach rechts und links, wo noch immer andere Mütter herumwuseln, ihrem Kind den Tornister abnehmen, Küsschen geben, Händchen halten, nochmal Küsschen geben. "Ja, Papa holt Dich ab ... jaaa ... ganz bestimmt. Mama muss jetzt arbeiten gehen. Jaa, nee, ganz bestimmt kommt Papa. Deine Lehrerin weiß es auch. Gut, also ... nochmal Küsschen ..."  Winkewinkewinke ...
Wie habe ich das bloß als Kind geschafft - so ganz allein ... keine Winkemama, kein Abholpapa. Am zweiten Schultag nach dem halben Schulweg tschüss gesagt, nicht mehr umgedreht und zur Schule gehopst. Okay - andere Zeiten - Mutti ging auch nicht arbeiten und Kind war viel ruhiger.

Zurück zu Mama von Prinzchen 1:
Wir entfernen uns auf dem Flur also noch ein Stück von der Klassentür, damit niemand zuhören kann. Und endlich erfahre ich von ihr, was niemand erfahren soll. Hier kann ich es auch nur erzählen, weil alle Namen durch die Redaktion geändert wurden. Ich stelle in dem Flurgewusel also schön meine Lauscher auf Empfang und schaue ihr aufmerksam ins Gesicht um sie in dem Lärm zu verstehen.
"Mein Kind is bei Arsst in >Dingsdatown<. Is da schon ein Jahr, muss da weiter ssu Arsst." - "Oh, ist er krank?" Sie kommt mir noch näher und flüstert mir fast ins Ohr: "Geht ssu piskologische Arsst." Hm?, denke ich. Mein Gehirn rattert und rattert ... Piss??? Hm ... hat er Probleme mit dem Pipimachen? Nee, schon ein Jahr??? Ratterratter ... hm ... Pisces ... Vesica Pisces ... hm ... die Fischblase, das Yin-Yang-Symbol der seelischen Ausgeglichenheit??? Welche Fachrichtung kann sie nur meinen? Piskologischer Arzt ... ratterrratter ... fängt an mit p, hört auf mit logisch. Jaaaaaaa - logisch! "Ein psychologischer Arzt?", frage ich erwartungsvoll. Ihr Gesicht verwandelt sich von Nacht zu Tag, die Sonne geht darin auf: "Ja, ein piskologische Arzt." Ha, sie ist ganz erleichtert ... endlich hat die Lehrerin verstanden ... und mein Weltbild ist wieder gerade. Es fällt mir jetzt leichter, die Tiraden von Prinzchen 1 anzunehmen und bei deren Verwandlung mitzuhelfen. Als Mama weg war, ging ich in die Klasse und war überzeugt davon, dass man noch mehr Kinder zu einem piskologischen Arzt schicken sollte, denn ... man lese und staune ... Prinzchen 1 steht vor mir, gibt mir die Hand und sagt: "Entschuldigung." Dann dreht er sich flugs um, geht zu seinem Platz und dölmert weiter rum. Aber auf Ansprache reagierte er heute viel besser. 
Wir müssen halt alle gutt zusammenarbeit ... Lehrer, Eltern, Kinder, piskologische Arzt ... geht doch!
Als ich übrigens den Begriff in der Pause dem Kollegium vorstellte und um Erklärung bat, rief eine Kollegin gleich: "Ein Urologe?" Niemand kam von selbst drauf. Als ich des Rätsels Lösung verkündete, folgte lautes und erfischendes Gelächter. (Den Tippfehler lass ich jetzt mal stehen ... *lach*)



In der Frühstückspause dann kommt Irina zum Pult und fragt: "Duhuu, können Heringe pupsen?" Ich schaue sie ratlos an ... "Du, das weiß ich auch nicht. Die sind doch unter Wasser. Hab' ich noch nie drauf geachtet, als ich mal im Meer war. Weißt du es denn?" Sie lacht mich verschmitzt an und sagt: "Hmhmmm ... die können das!" - "Nee, sag bloß!", antworte ich erstaunt und stelle mir vor, dass sie mit Papa in einem Kinderbuch geblättert hat und Papa es ihr vorgelesen hat. Was es nicht alles gibt! "Woher weißt du das denn?", frage ich neugierig. "Hi hi", zieht sie den Kopf ein und die Schultern hoch, "ich hab' das gerochen." - "Waaas?", erwidere ich erstaunt, "Du hast das gerochen??? Wie das denn?" - "Ich bin da unter das Wasser getaucht, da hab' ich das gerochen."
Quintessenz:
Erstens ...
lernen nicht nur die Kinder von mir, sondern ich auch von ihnen. Ich habe nicht gewusst, dass Heringe pupsen und dabei auch noch stinken.
Zweitens ...
habe ich schon lange gewusst, dass die Menschheit sich in einer ständigen Evolution befindet, die niemals aufhört. So können möglicherweise die Kinder der heutigen Zeit sogar unter Wasser riechen. Ist das jetzt ein Fort- oder ein Rückschritt, ein Sprung in der Evolution, eine gleitende Entwicklung oder ... hm ... pisces ... hm ... piskologisch??? Was meint Ihr?


Auflösung zum Anfangsrätsel - na, ist doch ganz einfach:

Das ist 'ne SCHULE!

Und die zu bereichern wird jetzt meine vergnügliche Aufgabe sein ...

Montag, 10. September 2012

Kurzinfo

Heute durfte ich im Garten meiner Nachbarin die Sonnenblumen fotografieren, die im Foto darstellen, was mein Gedicht in Worten sagt. Ganz unten habe ich zwei Fotos ergänzt. Klicke hier!

Ansonsten ist heute Abend alles wieder paletti, nachdem ich heute Mittag einen Kurz-Burn-Out hatte ... alles wieder ausbalanciert ... morgen geht's wieder ran ans Kind im Allgemeinen und an den Rüpel im Besonderen. ;-)

Winkegruß an alle Geplagten meines Berufsstandes!

Sonntag, 9. September 2012

Jung und unverstellt ...

Ein paar Kinderanekdoten mal wieder?

Okay, es gibt in der nächsten Zeit sicher viel zu diesem Thema zu erzählen,
denn je jünger, desto unverstellter reden und handeln sie.

Namen im Folgenden redaktionell geändert

Aktekin - ein kleiner türkischer Junge, der gerade am ersten Schultag sechs geworden ist, kann noch nicht richtig sprechen. Seine Sprache klingt so:

Iss muss danz viel doll!

Iss hat ein Ball mit Lisst.

Mein ssarze Ss-tift iss noss danz lant.

(Auflösung am Ende des Posts) 

Aktekin macht im Unterricht nur, was ihm gerade in den Sinn kommt. Zuhören geht fast noch gar nicht, Gemeinschaftliches mitmachen ist auch doof. Sein Lieblingswerkzeug ist sein Lineal, das für ihn ein Schwert ist. Als es letzte Woche zerbrach, weil er es mal wieder nicht im Etui stecken ließ,  hing er eine Stunde lang mit dem Kopf nach unten verzweifelt auf seinem Stuhl und heulte wie eine Sirene. Alle Achtung - die anderen Kinder und ich haben es ohne Blessuren durchgehalten. 
Warum er so heulte? 
"Mein Papa ssssimft ... uäääääää ... meine Mama soll miss holen ... uääääääää!" - "Nö, dein Papa holt dich. Und das Lineal ist ja kaputt, weil du daraus ein Schwert gemacht hast. Dann kannst du auch die Schimpfe aushalten." 
Papa kam und wurde aufgeklärt. Und sein Erziehungsanteil durfte dann zuhause erfolgen - auf seine Art. Das geht mich nichts an. 
Selten nimmt Aktekin, der kleine Miniprinz, der vier ältere Geschwister und kein jüngeres hat,  seine Aufgaben vor und beginnt damit. Inzwischen konnte ich ihn für einen Stickerordner gewinnen, in dem fertige Aufgaben abgeheftet werden. Wenn er drei Aufgaben fertig hat, bekommt er in den Ordnerdeckel innen einen Sticker. Der Kollegin, die diese Idee hatte, gebührt ein ORDEN (kein ORDNER *lach*). Sie sollte sich das System patentieren lassen!
Bereits vor dem Unterricht gehen die Kinder inzwischen an die Kästen mit Aufgabenblättern, holen sich etwas und beginnen damit. Die meisten bekommen nach fünf fertigen Blättern einen Sticker, manche schon nach vier oder drei Blättern. So kann ich wunderbar differenzieren und die Motivation aufrecht erhalten.


Alper, ein anderer türkischer Junge, kann's auch ... herumrennen, andere ärgern, bei jeder Ansprache beleidigt sein. Mit ihm gehe ich dann schon mal vor die Tür, spreche mit ihm, dann geht's mal wieder für zehn Minuten.
Vor einigen Tagen stand er vor mir, schaute mir mit zusammengekniffenen Augen sehr angestrengt ins Gesicht und meinte: "Du bist schon alt. Du hast da so Striche." Dabei zeigte er auf die Haut unter meinen Augen. "Stimmt", sagte ich, "das heißt Falten. Die kriegt man, wenn man älter wird und wenn man sich viel ärgert. Dann sei du mal schön lieb, damit es nicht noch mehr werden." Er drehte gleich ab ... nee, DER bekommt von so was keine Schuldgefühle! ;-)


Wir singen das Lied "Halte zu mir, guter Gott" als Morgenlied zum Beginn des Schulvormittags. Weil ich so viele Mohammedaner in der Klasse habe (7 von 20), fällt mir ein, dass wir das Lied ja auch mit dem türkischen (arabischen) Namen für Gott singen können. Ist ja egal, wir alle sind schließlich in Gott/Allah. So singe ich vor: "Halte zu mir, guter Allah ..."  Alle singen schön mit (ja, sie können wirklich schön singen, meine Neuen!), da meldet sich Taner: "Bei uns heißt Gott ALLAH (er spricht es so: Allaach)." - Ich: "Ja, Taner, das haben wir doch gerade gesungen." Er guckt mich an ... ein riesiges Fragezeichen im Gesicht. "Aber bei uns heißt Gott Allaaach." Herrje! Da hat er doch mein Allah nicht als sein Allaach verstanden - also nochmal singen: "Halte zu mir, guter Allaach ..."  Taner grölt laut mit!

Da meldet sich Alper. Dieses Mal geht es nicht um meine Augenrunzeln. Er sagt - nun haltet Euch fest: "Gott ist viiiieeeeeeel größer als Allaach!" Und das aus türkischem Mund!!! :-))


Was wäre unser Leben ohne Kinder?!?


Auflösung zu Aktekins Sprache:

Ich muss ganz viel doll.
Ich habe einen Ball mit Licht.
Mein schwarzer Stift ist noch ganz lang.

Ohne Übersetzungshilfe verstanden? - Ehrlich ...?

Montag, 27. August 2012

Lehreralltag bei den I-Männchen

Zum Stricken komme ich nur wenig, so sehr vereinnahmt mich der Schuljahresbeginn. Es ist ja doch ein Wahnsinns-Unterschied zwischen Viert- und Erstklässlern. Wie selbstständig meine Großen doch waren! Derzeit muss ich alles zeigen, erklären, beachten, organisieren. Und jedes Mal, wenn ich neu anfange, habe ich wieder vergessen, wie anstrengend es vor vier Jahren gewesen ist.

Hier nur mal ein kleiner Ausschnitt aus den täglichen Überlegungen, Entscheidungen, Gesprächen etc.:
  • 7:12 - Kopien für dies und das und fürs Team anfertigen, Blätter schneiden, Tonpapier holen, schneiden ...
  • 7:28 - Anmeldeformulare für die OGS und Beitrittserklärungen für den Förderverein im Sekretariat abgeben
  • 7:30 - Kinder kommen schon rein ... och nöööööö, habe doch noch so viel zu organisieren, war doch schon kurz nach 7 da, wo ist die Zeit hin?
  • 7:35 - Mutter 1: H. soll heute nicht in die OGS, ich hole sie ab. - Moment, ich schreib's mir auf. - Mutter 2: Der D., der soll heute zum ersten Mal allein mit dem Bus fahren. Aber der weiß nicht, wo er aussteigen muss. - Ja, dann fahren Sie doch heute mal mit ihm zusammen. Haben Sie heute Mittag Zeit? - Okay, ja ... - Gut, danke. - Mutter 3: Haben die jetzt diese Woche Förder? Auf dem Stundenplan steht, die haben heute 4 Stunden oder? Aber da steht doch 5 Stunden Kreuz. - Nein, diese Woche sind an jedem Tag 4 Stunden. - Mein Blick auf den Stundenplan an der Wand verrät - au weia! - ich habe eine falsche Info drauf geschrieben. Na, das wird ja was, wenn die Eltern heute nicht nach der 4., sondern nach der 5. Stunde kommen. Gott sei Dank war es nur einer, bei dem ich anrufen musste. Die anderen waren in der OGS oder die Eltern hatten mich schon selbst morgens gefragt. - Mutter 4: Ich habe hier einen Schuhkarton mit J.s Sachen drin. - Aber sie hat doch schon einen mit Namen von mir bekommen. - Ach soooo ... - Ach, lassen Sie ihn hier, ich klebe den Namen um (Gott sei Dank - Stick+Lift-Etiketten). 
  • 7:53 - Kinder, bitte Jacken aufhängen (Wo ist denn mein Haken? - Na, da, wo ich deinen Teddy hingeklebt habe. - Aber ich hab' den doch noch zuhause. - Ach so ... dann häng sie irgendwo hin.)
  • 8:05 - Wann gibt es Mittagessen? - Heute Mittag. - Wann ist das? - Noch gaanz lange ... Zettel auf die Uhr kleben ... wenn der kleine Zeiger da ist, dann ... Kind zufrieden.
  • 9:47 - Butterbrot beim Essen über die Dose halten (Guck mal, der Riesenschokoladenfleck auf deinem Tisch, der ist gleich auf deinem Rechenbuch.)
  • 9:50 - Kannst du mir mal die Flasche aufdrehen? (Achtung, langsam ... da ist Sprudel drin. Der spritzt sonst oben raus.)
  • 9:57 - Meine Finger sind dreckig. - Na, dann wasch sie dir doch da vorn am Waschbecken. - Lehrerin, wie geht das auf? - Einfach drehen, ich zeig's dir mal ... rennrenn ... zeigzeig ... Kind fertig ... Lehrerin schon wieder weg ... wie geht das da zuuuu? ... renrenn ... zeigzeig ...
  • 10:12 - Schau mich jetzt an und hör gut zu. Augenkontakt ... hallo, du da auch, nicht wieder weggucken ... so, jetzt ...
  • 10:14 - Ich muss Pippi! - Kannst du noch eine halbe Stunde aushalten? - Ja. - Gut, wenn es doch nicht geht, dann sag's. ... 5 Minuten später: Ich muss doll Pippi. - Gut, dann geh schnell! - Kind geht. Gott sei Dank - nicht Pippi geht ... in die Hose.
  • ...
Reicht, oder? Könnte noch stundenlang weiterschreiben ... bin müde ... und nicht mehr zwanzig *ggg*. Aber schön ist es ja doch ... übrigens sagt einer wirklich konsequent "Lehrerin" zu mir. Er kann meinen Namen noch nicht. Ob ich mal eine Nikolausmütze aufsetze? *ggg*

So, warum ich eigentlich posten wollte, ist das hier:


Hach, macht so viel Spaß, bleibt spannend, entwickelt sich immer neu. Das Grundgarn ist ja ein Farbverlaufsgarn und das macht den stetigen Wechsel aus, wenn ich auch Musterwiederholungen einbaue. Man erkennt sie???

Schade, wozu ich so gar nicht komme: Blogspaziergänge. Aber ich habe ja meinen Feedreader und manchmal lese ich dann alles Neue aus einem ausgewählten Blog nacheinander. Ist auch schön ...

Und jetzt noch ein paar Reihen stricken, dann todmüde ins Bett. Lehreralltag - alles faule Säcke  (Zitat G. Schröder - na, wo der wohl rumhängt ...*lach*)

Donnerstag, 23. August 2012

Heute bin ich dankbar ...


Heute bin ich dankbar ...
  • für 20 neugierige Kinder, die ich nun vier Jahre lang begleiten darf
  • für deren Eltern, die ihre Fragen nach dem ersten Schulvormittag so knapp wie möglich fassten
  • für drei wunderbare Jahrgangskolleginnen, die offen und flexibel sind und sich auf ein gegenseitiges Austauschen einlassen (was würden wir einzeln in dieser immer wieder anstrengenden Schulanfangsphase nicht alles vergessen)
  • für eine Schulleiterin, die mit uns vier Jahrgangskolleginnen alles sorgfältig durchgesprochen und es dann nach Absprache durchgeführt hat
  • für erträgliche Morgentemperaturen, die mir heute unnötiges Schwitzen beim vielen Herumwuseln ersparten
  • für meinen lieben Mann, der heute auf dem Markt eingekauft und mich an diesem anstrengenden Tag mit so schmackhaften  Leckereien verwöhnt hat
  • für eine musikalische Kollegin, die zur Einstimmung des Schulanfängergottesdienstes die Musik GABRIELS OBOE so wunderschön auf der Oboe gespielt und mir damit eine Gänsehaut erzeugt hat
  • für zwei Geistliche, die unsere Schulkinder mit sehr individuellen Worten gesegnet haben und ihnen erlaubt haben, mit Hilfe der Eltern sich heute ausnahmsweise mal auf die Ablagefläche der Kirchenbank zu stellen, wodurch man die ganze Schulanfängerschar in den Kirchenraum emporhob - was für eine tolle Idee!
  • für Sonnenschein und angenehme Wärme auf der Terrasse und meinen geduldig zuhörenden Mann beim Nachmittagstässchen Tee
  • für mein Bett zur Mittagserholung (BEAMTENSCHLAF ist was Herrliches!)
  • dafür, dass ich schon jetzt - um 21 Uhr 30 Feierabend habe (*räusper* - schon jetzt? Das darf in den nächsten Wochen aber noch besser werden)
Dies kann gut meine letzte Einschulung von Schulanfängern sein ... daher genieße ich sie sehr bewusst. ALLES IST GUT. Und alles darf sich jetzt Schritt für Schritt entwickeln. Spannend ...

Besonders dankbar bin ich für das Gottesdienstmotto, das ich gar nicht ausgewählt habe und das doch so gut zu mir passt - der REGENBOGEN! Im gerade vergangenen Norwegenurlaub habe ich sieben Regenbögen gesehen und sechs davon fotografiert. Und im Gottesdienst haben wir heute sechs Regenbogenfarben aus Tüchern vor den Altar gelegt. Auch dabei bekam ich eine Gänsehaut, als hätte ich im Sommerurlaub bereits einen Wink bekommen, denn der REGENBOGEN soll uns erinnern an den ewigen Bund Gottes mit uns. Hier eine optische Berührung für Euch:

Es begann ganz zart ...



... auf der Weiterfahrt wurde er schon kräftiger ...




Auf dem Røberg mussten wir alle (besonders unsere norwegische Freundesfamilie) lachen, denn die kennen mich da auch alle als Regenbogenliebhaber. Man versicherte mir, seit unserem letzten Urlaub bei ihnen habe man keinen einzigen Regenbogen gesehen. Und dieses Mal häufte sich in der Woche unserer Anwesenheit sein Auftreten:



Auf einem Tagesausflug in der Nähe ...


... und wieder auf dem Røberg!






Donnerstag, 5. Juli 2012

Urlaubsstrick

Da ich die norwegische Sockenparade für unsere liebe norwegische Freundesfamilie bis auf eine halbe Socke fertig gestrickt habe (Fotoserie zum Achterpack später) und außerdem morgen die Sommerferien beginnen, mache ich heute abend mal ein Brainstorming und hole hier mal zusammen, was ich in den Ferien / im Urlaub stricken könnte.
Noch bin ich ganz eingenommen von schulischen Aufgaben. Am Dienstag war schon der erste Elternabend mit den Eltern meiner Lernanfängerklasse 2012-13 (alles ist gut), in den letzten drei Tagen hat mir meine Viertklässlerbande fleißig beim Umzug aller Plünnen und Piselotten in einen neuen Klassenraum geholfen, heute habe ich begonnen mit dem Putzen, Ausmisten und Wiedereinräumen, morgen gibt es Zeugnisse und ein gemeinsames Klassenfrühstück, danach ein Kollegiumsessen, dann werde ich den Rest des Tages wohl weiter meinen neuen Klassenraum einrichten und gestalten. Es steht noch sehr viel Arbeit an. Am Wochenende ist dann mein häusliches Büro dran und dann kann ich mich wieder ganz meinem geliebten Hobby widmen (nach meinem geliebten Schatz natürlich!).

Das Brainstorming beginnt. Da ist zunächst dieser Schal für meinen Schatz (sag' ich doch), den er zu seiner rotblauen Regenjacke im Urlaub haben soll - es ist ein Norwegen-Frischsommerwetter-Schal. Die Reihen sind wirklich schrecklich lang und ich glaube nicht, dass ich den Schal in so dünnem Garn noch einmal stricken möchte. Er enthält auch einige (nicht deutlich auffallende) Fehlerchen, weil ich mich am Anfang oft vertan habe beim Vor- bzw. Hinterlegen des mitlaufenden Fadens bei den Hebemaschen. Den Streifenverlauf habe ich systematisch angelegt. So wechselte die Farbe in den ersten Streifen nach ein bis zwei Reihen, später werden die Streifen immer breiter, zum Schluss fallen die dunkelblauen Zwischenstreifen sogar ganz weg.


Das nächste Teil soll ein Loop für den Hals werden. Zu dem wunderschönen handgesponnenen Garn gehört eine besondere Geschichte.


Hier die Geschichte dazu:

Wir haben in der Schule im Keller Plastikkästen mit Deckeln stehen, in denen mitgebrachtes Material gehortet wird. Unter anderem auch Wollreste zum Weben, Basteln etc.
Neulich brauchte ich für Pappmedaillen als Anhänger Garn, so ging ich in den Keller und wühlte eine Kiste durch.
Ja, man kann nur von Wühlen sprechen, denn darin war alles wild durcheinander gehortet. Viele Resteknäuel hingen unentwirrbar an- und ineinander.
Fast unbrauchbar waren die Reste dadurch geworden.
So etwas tut unseren Herzchen weh, nicht wahr, denn wir lieben doch jeden Faden, weil wir aus allem etwas zu machen verstehen.
Kurz und gut ... mir stellten sich die feinen Härchen hoch ... doch da griff ich etwas ... ha ... Weiches, Kuscheliges ... einen großen, fest gewickelten Ball, der sich doch so angenehm anfühlte!
Er war noch gut gewickelt und ich fühlte, dass sich in ihm etwas Besonderes verbarg. DER sollte hier sein wirres Resteknäueldasein fristen?
Das konnte mein Strickerherz nicht dulden ... so "adoptierte" ich ihn kurzerhand, rettete ihn aus den Unbeachteten, Verschmähten, denn ich fühlte seine Kostbarkeit.
Nun muss ich dazu sagen, dass ich mein schlechtes Gewissen ganz schnell wegoperierte mit der Rechtfertigung, dass auch dieses Knäuel am nächsten Werk- und Basteltag den Weg der anderen nehmen würde, ich ihm somit das Leben rettete, wenn es auch eigentlich zum Werken und Basteln gespendet worden war.
Wie kann man nur!!! Selber schuld!, dachte ich mir und nahm das gute Stück mit nach Hause.
Nein, ich habe es nicht nötig, Wolle zu klauen, aber wenn jemand in einen Mülleimer einen Diamantring legte, würde ich, wenn ich ihn zufällig entdecken würde, auch für mich herausnehmen und ihn wieder zu Ehren kommen lassen.
So weit okay, nicht wahr?
Zuhause nun betrachtete ich das kleine Geheimnis erstmal mit großem Respekt, schienen in ihm auch noch zwei kostbare Garne vereint zu sein. Ich nahm das lose Fadenende und siehe da ... es hatte jemand zwei vermutlich handgesponnene Garne zusammengewickelt zu einem Faden. Was für ein Unverstand!
Denn ... in dem zusammengefügten Faden verbargen sich einer in einem wunderschön tintigen Blau und einem zweiten, der aus mehreren verschiedenfarbigen Fäden in blau, grün, rot zusammengezwirnt war, so dass er als Faden bunt wirkte, dunkelbunt sozusagen.
Mit viel Geduld und Liebe ent-ZWEI-te ich den Doppelfaden und wickelte daraus je ein großes Knäuel, wobei mir mein Knäuelwickler gute Dienste leistete. Ich brauchte trotzdem ca. eine Stunde und erhielt zum Lohn zwei wunderbar flauschige Knäuel (ca. 200g), die farblich gut harmonieren. Was daraus nun wird?
Ein Halswärmer im Loop-Stil. Er besteht aus Streifen im Grundmuster 1r / 1l.
Und nun sag ... hättest Du das Knäuel den Weg alles Schulischen gehen lassen???

Es geht weiter ...

Nun sollst auch Du endlich dran sein, liebste Ina. Wie lange habe ich schon etwas in Regenbogenfarben im Sinn - ganz speziell für Dich! Nun war am letzten Wochenende die Veranstaltung "Bad Meinberg spinnt", wo ich für Dich diesen herrlichen Farbenreigen erwarb:


Lass Dich vom fertigen Ergebnis überraschen!


Auch für meine Füße ist nach so viel Sockenroutine in den letzten Wochen mal wieder etwas im Entstehen. Ganz schlicht, zwar geringelt, doch in ähnlichen Farben und sehr gut passend zu meinen Jeans, die ich doch so gern trage:

Die Vorlage: Mein beliebtestes Ringelmuster

Und nun kommt noch ein ganz feines Garn, in das ich mich letztes Wochenende in Bad Meinberg verliebt habe. Es handelt sich um ein petrolfarbiges Leinengarn von karen noe design (75% Leinen, 25% Baumwolle). Gestrickt wird es mit Nadelstärke Nr. 3-3,5. Da ich mir neulich eine senfgelbe Bluse zulegte, suchte ich nach einer Kontrastfarbe und diese passt hervorragend. Daraus möchte ich mir ein Jäckchen wie dieses stricken.

Fantastisch - dieser Glanz!
Das dürfte für die Sommerferien ja wohl genügen. Sicher könnte ich noch mehr zeigen - es gibt ja auch noch so manches UFO ... gar nicht dran denken ... ;-)
Auf jeden Fall ist nichts Kompliziertes dabei und ich kann alles problemlos einpacken.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Pure Freude

Derzeit ist es im Blog etwas stiller als sonst. Das hängt damit zusammen, dass mich mein Beruf im Übergang von Klasse 4 zu Klasse 1 sehr viel Zeit kostet. Strickprojekte wachsen langsam, dafür möchte ich Euch heute mal ein anderes Projekt zeigen. Thema im Kunstunterricht meiner vierten Klasse war Leben und Werk des amerikanischen Künstlers James Rizzi, der im Jahr 2011 starb. Wir studierten Rizzis Gestaltungselemente, erfuhren von seiner Motivation, Ansichten der Stadt New York darzustellen, freuten uns über seine Art zu malen und malten selbst wie Rizzi. Was dabei herauskam, habe ich in drei Teilen fotografiert (klick macht's groß):




Mir hat's auch riesigen Spaß gemacht. Natürlich habe ich mich beim Malen beteiligt. Was ist wohl mein Anteil am Bild?

Sonntag, 24. Juni 2012

Kindermund


Wie unangenehm!

Zwei Tage vor unserem Klassenausflug nach Porta Westfalica erzähle ich den Kindern meiner Klasse 4, dass wir voraussichtlich zu früh am Freizeitpark Potts Park sein werden und dass ich plane, vorher mit ihnen einmal zum Porta-Denkmal hoch zu fahren, so dass sie den Kaiser Wilhelm anschauen können, der oberhalb der Porta auf dem Wiehengebirge steht. „Dann könnt ihr sehen, wie imposant der ist“, schwärme ich von dem riesigen Kerl. In dem Moment fängt Tobias an zu kichern und Davin lässt sich sogleich anstecken und prustet laut los. Die ganze Klasse fällt in das Gelächter mit ein. Mir schwant, was sie meinen und deswegen erkläre ich schnell: „Der HAT nicht im Po Sand, der IST imposant! Ob er im Po Sand hat, das weiß ich außerdem gar nicht. Er ist vielleicht gar nicht aus Sandstein, sondern aus Metall gebaut.“ Wie ich später durch Recherche erfuhr, besteht sein Sockel aus Portasandstein, die Kaiserfigur dagegen wurde aus Bronze gegossen. Dass dabei ein paar Körnchen Sand in den Po gerieten, kann ich mir kaum vorstellen.
Das Wort IMPOSANT scheint in heutigen Elternhäusern wohl wenig gebräuchlich zu sein ...



Trauriges Lehrerleben

Als ich mit meiner Sechser-Gruppe durch Potts Park streife, will Lars mich unbedingt überreden, mit in die Schiffsschaukel zu kommen. Vorher hatte ich ihm erzählt, dass mir darin einmal furchtbar schlecht geworden ist und ich den Kindern, die damals vor mir saßen, fast auf den Kopf gespuckt hätte. „Nein“, sage ich deshalb zu Lars, „den Gefallen tu ich dir nicht, dass du dann lachst, weil ich mich übergeben muss.“ Anschließend erkläre ich ihm, dass es mir nichts ausmache, dass ich nicht mitmachen könne. „Weißt du, Lars, ich habe auch meinen Spaß, wenn ich nur miterlebe, wieviel Spaß ihr habt.“ „Ach“, meint er daraufhin, „dann haben Sie in der Schule ja nie Spaß.“




Gottgegeben

Im Unterricht meiner vierten Klasse geht es um die technischen Errungenschaften der Gegenwart und den Unterschied zu früher. Ich erzähle den Kindern von alten Telefonen mit Wählscheiben und von Computern, die vor 40 Jahren noch so groß wie Wohnzimmerschrankwände waren. Dann gehe ich noch weiter in der Zeit zurück und mache den Kindern klar, dass ich in ihrem Alter von einem Computer noch nicht einmal geträumt habe. Da meldet sich Shanell: „Ich habe da mal eine Frage. Wenn Sie doch noch keinen PC hatten, wie sind Sie denn dann ins Internet gekommen?“
Gute Frage … analog dazu wüsste ich gern, wie man früher Nachrichten gehört hat, als es noch kein Radio gab. Hat es doch gottgegeben Internet und Nachrichten sicher schon seit Anbeginn der Schöpfung gegeben, so wie Sonnenschein und Regen. ;-)



ICH LIEBE MEINEN BERUF!!!

Freitag, 27. Januar 2012

Neue Medien

In unserer Schule gibt es seit geraumer Zeit ein fantastisches Medium, nämlich interaktive Whiteboards. Als Lehrer kann man mit einem dazugehörigen Programm seine interaktiven Tafelbilder zuhause entwerfen und in der Schule anwenden.

Ein Beispiel aus meiner Unterrichtspraxis:
Bald ist Karneval und zu dem Zweck soll die Turnhalle an den Wänden dekoriert werden. Das Motto ist OLYMPIA. Da fiel mir ein, dass ich vor vielen Jahren mal Körperteile auf eine Matrize gezeichnet und für die Kinder abgezogen hatte. So sprach man über diese längst veraltete Vervielfältigungstechnik ja derzeit. Dies war stets verbunden mit blauen Fingern und Spiritusdüften. Wie angenehm sind da doch die Möglichkeiten mit der heutigen Technik!

So scannte ich einen Abzug von damals mit dem Scanner in meinen PC ein, schnitt mit PhotoDraw die einzelnen Körperteile aus, färbte sie transparent hautfarbig und kopierte sie in das interaktive Tafelprogramm. Dort können die Schüler dann durch Berühren und Verschieben der Einzelteile auf der Tafel sich bewusst machen, wie Körper in Bewegung aussehen. Das sieht dann z. B. so aus:



Hier ist ein Läufer dargestellt, der durch Verdrehen und Verschieben aller Körperteile flugs in einen anderen Sportler verwandelt werden kann, z. B. in einen Gewichtheber:


An der interaktiven Tafel kann man nun auch eine Echtzeichnung durch Übermalen erzeugen, so wie hier aus dem Konturenläufer ein bekleideter Läufer wurde:


Nachdem am eigenen Körper Haltungen beobachtet und auf der Tafel nachempfunden worden sind, sollen die Kinder in kleinen Gruppen aus auszuschneidenden Körperteilen aus Papier Sportler legen, die Teile aneinanderkleben und mit farbigem Papier oder auch Stoff bekleben. Auf schwarzem Tonpapier werden die fertigen Sportler dann aufgeklebt und werden die Turnhallenwand schmücken. Das wir eine Mordsgaudi!

Heute durften sie an der Tafel schon ein wenig herumspielen, während ich am Pult saß und mich über die entstehenden Figuren auf meinem Laptopbildschirm amüsieren konnte. Sie mussten selbst über ihre Sportler lachen, an denen die Hände und Füße verdreht erschienen oder Knie sich in die falsche Richtung bogen. Learning by doing!

Donnerstag, 24. November 2011

Nein - ich stricke nicht nur ...

So ganz nebenbei gehe ich auch noch in die Schule (nicht zur Schule - man beachte den feinen Unterschied!). Und das nimmt den größten Anteil meiner Tageszeit ein. Weil es aber Spaß macht, ist es okay so ...

Heute mal ein Beispiel dafür, warum es so einen Spaß macht. Meine Banausen hatten kürzlich Herbstferien. Viele Kinder müssen danach einen Aufsatz schreiben "Meine Ferienzeit" ... ätzend, oder? Immer wieder diese blöden Ferienaufsätze - wie altmodisch und lästig! Da lassen sich doch viel schönere Geschichten schreiben.

Ich hatte eine andere Idee um das in den Ferien Erlebte zu würdigen. Ich ließ sie Bilder malen. Große Buchstaben, die sich zum Wort FERIEN fügten, durften nach Herzenslust ausgemalt und gestaltet werden. Herbstfarben sollten dabei vorkommen und Motive aus den Ferien. Kaum war die Aufgabe besprochen, legte die Bande los:

Anklicken und groß genießen!

Habe ich nicht einen schönen Beruf? Umgeben von so viel kindlicher Farbenfreude und Lebendigkeit!

Wenn da nur nicht der viele Papierkram wäre ... Dokumentationionionionionion ...

Dienstag, 25. Oktober 2011

Wachstum auf Keltisch


Der eine Seitenstreifen ist angewachsen. Um das Mittelteil ganz fertig stricken zu können, muss ich nochmal zur SPINDEL, da das Garn nicht ganz ausreichte. Von dem braunen Garn habe ich dafür zuviel. Egal, zu stricken liegt immer genug herum. Außerdem kann ich ja den zweiten braunen Streifen schon anfangen.

Überhaupt ...
heute ist trotz Ferien ein knallharter Arbeitstag, den ich überwiegend am Schreibtisch verbringe. Für heute habe ich mir vorgenommen, einen ganzen Stapel Aufsatzhefte zu korrigieren. Das empfinde ich als sehr anstrengend, denn jedes Kind schreibt ganz anders, jedem möchte man mit seinem Kommentar gerecht werden, die Korrekturen sind ganz unterschiedlich, weil man manchen sehr differenzierte Kommentare schreiben kann, die sie auch verstehen, anderen muss man es mit wenigen und einfachen Sätze deutlich machen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Trotzdem macht es viel Spaß, sich in die Gedanken und Gefühle der Kinder auf diese Weise einklinken zu dürfen.

Was Thema des Aufsatzes war?
Eine Fantasiegeschichte, in der sich die Kinder in einen Gegenstand versetzen durften, der W. A. Mozart gehörte und aus dessen Sicht sie ein Erlebnis mit dem Wunderkind erzählen.
Diese Auseinandersetzung mit Mozart gehört zu einem mehrmonatigen Projekt, in dem wir eine vereinfachte Version der ZAUBERFLÖTE einstudieren um sie an einem Nachmittag in der Adventszeit den Eltern vorzuführen.

Viel zu tun ... weg hier!

Samstag, 28. Mai 2011

Die andere Baustelle ...

Dann möchte ich hier mal einen kleinen Eindruck von dem wiedergeben, was letzte Woche in der Schule gewerkelt wurde.

In allen Fächern ging es nur um Brücken. Gestern, am Freitag, wurde der Chaostag vom Mittwoch wiederholt, nur mit der neuen Aufgabe, die in Gruppen gebauten und mit WC-Papier umwickelten und gekleisterten Brücken mit Abtönfarben anzumalen.
Was für eine Kleckerei! 70 Kinder standen nach und nach Schlange bei mir am Waschbecken, wo man den Erst- und Zweitklässlern beim Auswaschen der Pinsel noch helfen musste. Immer wieder kamen sie an, wollten eine neue Farbe verwenden und vorher ihren Pinsel reinigen. Von der ganzen Malerei habe ich kaum etwas mitbekommen, weil ich nur aufpassen musste, dass die Gardine neben dem Waschbecken und die Wand dahinter nicht allzu sehr bekleckert wurden.
Entsprechend ächzt heute mein Kreuz ... au weia! Aber das Ergebnis (ein Ausschnitt) kann sich ja wohl sehen lassen:


Auch diese Aufgabe gehörte dazu: Male einen Ausschnitt aus einem berühmten Künstlerbild an den Rändern weiter, wie du möchtest. Die Drittklässlerin A. macht es perfekt:


Andere Kinder erprobten den Bau der Leonardo-Brücke. Ein ganz schwieriges Unterfangen, wenn man nicht gut im Team arbeiten kann. Dieser Gruppe ist es gelungen:


Hier ein paar versierte Fischer-Techniker. Das gelang nur Kindern, die zuhause schon Erfahrungen mit dem Technik-Baukasten gemacht hatten.


Auch das Fach Sport war mit einbezogen. So haben die Klassen 1 und 2 einen Brückenparcours in der Turnhalle aufgebaut, der es möglich machte, einmal die Halle zu umrunden, ohne den Boden zu berühren. Die Klassen 3 und 4 haben den Parcours anschließend erprobt und dann nach eigenen Vorstellungen umgebaut.


Nächste Woche steht nun am Tag der offenen Tür noch die Präsentation für die Familien der Kinder an. Das wird ein Riesentumult, wenn die Eltern, Geschwister und anderen Verwandten unserer über 400 Schüler alle gleichzeitig antanzen!
Das Projekt Brücken ist nur eines von insgesamt fünf Projekten (Räder, Kreisel, Papier, Grün).